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Autor: Simon

Theoretisch würde ich gern wissenschaftliche Werke statt immer nur Light Novel und Manga vorstellen, von denen man ja als Student nur so erschlagen wird. Das einzige Problem: Nachdem man so ein Ding für die Uni durchgewälzt hat, möchte man es die nächsten 10 Jahre nicht wieder sehen. Und danach hat man vergessen, was drin stand. Daher reiche ich mal zum Zwecke der Bildungs- und Intelligenzförderung eine Meldung (will sagen: Werbung) aus einer unserer netten MLs weiter. Scham- aber nicht sinnlos. :>

Die neueste Minikomi, die Hauszeitschrift der österreichischen Japangesellschaft für Wissenschaft und Kunst, kurz AAJ (also Akademischer Arbeitskreis Japan - so seltsam sind die da droben net ;)), geht das Thema Populärkultur mit einer Sonderausgabe (so will es uns zumindest das Cover weis machen) an. Hier das Inhaltsverzeichnis unverfrorenerweise (bei den Temperaturen wär es auch recht schwer, dabei zu frieren) schlicht herauskopiert:

Minikomi 75

MINIKOMI Nr. 75
THEMA: POPULAR CULTURE

04 Editorial

Artikel

05 Fabio GYGI
Mnemonic Monsters. Memory, Oblivion and Continuity in Japanese Popular Culture.

13 Alex ZAHLTEN
Aliens, zeitreisende Schulmädchen und der radikalisierte Text. Zur Bedeutung der
Filmproduktion aus dem Hause Kadokawa.

20 Silvia TARTARINI
A reconsideration of Japanese-Korean conflicts and relations as seen through comics.
The case of Kenkanryu/ Hyomillyu.

28 Anne McKNIGHT
Princesses and Revolution: The European Interfaces to Japanese Subculture,
from the 1970s to the Millenium.

38 AutorInnen/Impressum

Dies Minikomi Nr. 75, so wie auch alle vorherigen Ausgaben, gibt es auf der Homepage (klick misch) zu bestellen. Und wer sich dann eine gekauft und durchgelesen hat, darf auch gern sagen, ob es sich denn lohnt. :P

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Autor: Simon

Buchumschläge aus Japan und wie man sie benutzt. So haltet ihr eure Sammlung staub- und knickfrei! :)

Bücher kaufen ist was feines - sie zu lesen oder gar länger aufzubewahren artet oft in einem Trauerspiel aus, denn das liebe Altpapier staubt schnell ein, knickt und reißt. Da hilft nur eins: Einschlagen. Leider sieht das ganze wenig sexy aus und außerdem haben Buchumschläge prinzipiell immer die falsche Größe. Die Leseweltmeister unserer Lieblingsinselgruppe haben daher die standardisierten Klarsicht-Umschläge erdacht. Zum Preis von circa 1 Euro für 10 Umschläge (bzw. umsonst, wenn man bei Animate kauft), bekommt man so ein nettes Tütchen:

Mangatüten

Die praktischen Plastikkondome für Romane, Manga und Co. gibt es in der Standart-Roman- (japanische Romane sind kleiner als unsere; Light-Novel haben diese Größe) und Tankôbon-größe (damit könnte ihr die meisten hier erscheinenden Manga einschlagen; v.a. Shônen- und Shôjo-Manga haben diese Größe). Außerdem auch in B6, A5 und A4. Hier mal ein Beispiel, was man nicht so alles einschlagen kann (das einzige “nackte” Buch ist das Hardcover in der Mitte):

eingeschlagene Bücher

Für alle Überzeugten hier eine Bilderstrecke zum Einschlagvorgang (die Anleitung ist natürlich auf Japanisch). Falls ihr noch Fragen habt, bitte sehr. :)




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Autor: Simon

Mir ist aufgefallen, dass ich zwar ständig lese, jedoch genau darüber eigentlich nichts schreibe. Ist doch ein wenig traurig, dass seit meiner letzten Buchvorstellung (zu 12 Königreiche) schon ein halbes Jahr vergangen ist (es sei denn, man zählt Allison, aber da ging’s um den Anime ^-^;). Deshalb und an dieser Stelle mal ein Kurzbericht zu einem der Romane, die ich in letzter Zeit verschlungen habe.

Across the Nightingale Floor

“Across the Nightingale Floor” von Lian Hearn, aus mir unerfindlichen Gründen mit “Das Schwert der Stille” (was für’n Schwert bitte?!) ins Deutsche übertragen, ist der erste Roman der Otori Trilogie. (Natürlich wird es noch eine Fortsetzung und eine Vorgeschichte geben - so wie bei allen guten Trilogien. ;)) Obwohl es sich beim Autor um einen waschechten Wessi handelt, spielt die Geschichte in einem halb-fiktiven Japan des Feudalzeitalters: Tomasu wächst in einem Bergdorf der friedliebenden Verborgenen (Hidden) auf. Doch eines regnerischen Tages kommt der gar bösartige Kriegsherr Iida mit seinem Heer von Rabauken angeritten und metztelt alle Bewohner nieder. Mit Ausnahme von Tomasu, natürlich, der sich daraufhin vom durch und durch edelmütigen und gutaussehenden Adeligen Otori Shigeru retten lässt. In dessen bescheidenem, aber wunderschönen Haus in Hagi (zwischendurch gibt es immer mal wieder Realnamen, damit man sich zu orientieren weiß ^-^;) angekommen, wird er nun Takeo getauft, von Otori adoptiert und in allem unterrichtet, was ein junger Samurai so braucht. Dabei zeigt Takeo ganz erstaunliche Talente, wie zum Beispiel ein Gehör, auf das selbst Superman noch neidisch wär. Dank dieser kann er schließlich ein Attentat auf seinen heißgeliebten Stiefvater Shigeru verhindern. Und damit fangen seine Sorgen eigentlich erst richtig an.

Across the Nightingale Floor ist eher für ein jüngeres Publikum geschrieben, doch hat es mir durchaus Freude bereitet, den Abenteuern von Takeo und Co. zu folgen. Allerdings freu ich mich wie ein Kind über literarische oder realweltliche Anspielungen - dieser seltsame Sinn für Humor hat mich selbst durch ungefähr zehn Bände Dragon Ball gebracht. Hintergrundwissen (nicht allzu viel, denn Lian Hearn ist nicht Lafcadio und hat wohl auch selbst nicht allzu viel Ahnung :P) hilft. Mit diesem und einem gesunden Maß an Schadenfreude, zum Beispiel angesichts der Namensgebungen (Takeo, Shigeru, Kaede, Kenji, Yuki, Makoto) oder ob der feministischen Erzählweise, lässt sich mit den Otori richtig viel Spaß haben. :>    [...mehr]


Autor: Simon

Über den kleinen Prinzen hat Sigsawa bereits geschrieben - diesmal ist der Pilot dran. Nachdem ich mich gestern (hier) ein wenig zum neuen Anime Allison & Lillia vom Frühling 2008 ausgelassen habe, möchte ich nun etwas über die Light Novel (Roman) Vorlage loswerden.

Allison Band 1 Cover-scan

Allison ist eine 2002 angelaufene vierbändige Romanserie von Sigsawa (so schreibt der Gute sich selbst in seinen Romanen, die eigentliche Lesung in Romaji is Shigusawa), welche ob des Erfolges mit dem sechsbändigen Lillia & Treize und dem zweibändigen Meg & Seron bereits zwei Spin-offs das Leben schenkte.

Allison Spin-Offs

Sigsawa Keiichi ist vor allem für seinen Welterfolg Kino no Tabi (erhältlich bei Tokyopop) bekannt, welches oft mit dem Kleinen Prinzen verglichen wird. Das Motiv der Reise, der verschiedenen Länder und vor allem die Philosophie will Sigsawa jedoch von Galaxy Express 999 geklaubt haben. Wie dem auch sei, liest sich Allison als habe der Autor diesmal dem Piloten Saint-Exupérys eine Romanreihe gewidmet. Thema ist natürlich die Dummheit der Menschen und die Sinnlosigkeit des Krieges - damit passt es wunderbar zu Werken wie Hagane no Renkinjutsu-shi (Full Metal Alchemist) oder Arc the Lad - Seirei no Tasogare (Twilight Spirits) aus der selben Zeit. Leider sind die nachdenklich stimmenden Passagen etwas dünner gesäht als bei Kino no Tabi, wohl ob des Formats (schließlich kann man bei Kurzgeschichten à la Kino eine größere Anzahl verschiedener Ideen unterbringen und auch viel schöner die Erzählperspektive ändern und die zeitliche Abfolge durcheinanderschmeißen).

Eine der netteren Allsion Illustrationen

Ebenso darf man von Kouhaku Kuroboshi hier nicht die selbe Qualität erwarten, wie bei Kino no Tabi. Zwar kann der Mann nach wie vor zeichnen und malen, doch ist der Stil gewöhnlicher, ja geradezu unspektakulär Light-Novel-typisch. Hinfort sind die klaren Farben, der harte schwarz-weiß Kontrast, die Illustrationen, die wie eine moderne Reinkarnation alter Ukiyo-e Prinzipien erschienen.

Allison schwarz-weiß Illu aus Band 1

Besonders traurig ist dann auch die Anime-Umsetzung Allison & Lillia. Ignorieren wir mal die glänzende (Stichwort “Brechreiz”) Animation und konzentrieren wir uns auf die Story bzw. die Message. Zwar ist es normal, dass in einer Verfilmung weniger Hintergrundinfos geliefert werden - so werden Anime-Schauer im Unklaren über die Geschichte und Entstehungsgeschichte der beiden Reiche gelassen und Details, wie zum Beispiel der Umstand, dass in Rokushe eigentlich kaum blonde Menschen vorkommen, werden wohl ignoriert - doch gibt es auch einige Kürzungen, die das Schauen weniger spaßig machen. So wird uns Bleistiftweise die amüsante Erklärung des Lehrers erspart, der seinen Schülern im Light Novel erklärt, warum denn die Bewohner Rokushe die Vorfahren der Menschen (und generell in allem überlegen) seien. Hatten die Macher Angst, dass NHK-Schauer keine Ironie verstehen? Schade. Kino no Tabi wurde zwar für’s Fernsehpublikum auch auf verständlich getrimmt, doch gewann die Serie dadurch imho sogar noch an Eindringlichkeit. Ich fühle mich ein wenig an meine jüngsten Erfahrungen mit Ôkami to Kôshinryô (Spicy Wolf) aus der Winterstaffel erinnert. Trotzdem sollte jeder, der nicht des Japanischen mächtig ist bzw. nicht auf eine Übersetzung der Light Novel warten möchte, dem Anime eine Chance geben. Sigsawa ist einfach zu interessant, als dass man eines seiner Werke komplett ignorieren könnte. Nuff said.    [...mehr]


Autor: Simon

“Schenke mir bloß nie wieder so ein Buch! Daran liest man ja nur einen Tag lang! Man sollte sein Geld zurückverlangen!” Mit diesen Worten drückte mir meine Mutter gestern den ersten Band von “Die Zwölf Königreiche” in die Hand. Gut. Sich beschweren, weil man das Buch zu schnell ausgelesen hat? Tolle Idee. Vielleicht sollte ich so mal mein Geld für Harry Potter und Co. zurückverlangen. Meine Mutter bekommt auf jeden Fall zum nächsten Fest Das Kapital oder etwas ähnlich langlebiges.

12kokki deutsch

Wenn ihr spoilerfreieweise etwas über den Inhalt erfahren wollt, schaut euch die offizielle Sektion auf der Tokyopop HP an. Ich habe gerade keine Lust, noch mal den Inhalt runterzubeten. Vielmehr geht es mir um die deutsche Version des Buches:

Aufmachung

Gleich beide Bände von Tsuki no Kage, Kage no Umi, d.h. nunmehr Der Schatten des Mondes - Das Meer der Schatten (und ich dachte, die Sheridan und Co. hätten die besiegt?), dem ersten Teil von der Saga der zwölf Ländereien, findet man in der 19,99 Euro teuren gebundenen Ausgabe. Das Cover macht einen vernünftigen Eindruck, auch wenn dazu YAMADA Akihiros Illustrationen kastriert wurden. Mein Problem ist vielmehr, dass man die dann innen zwar abgedruckt hat - aber nicht in Farbe. Ich würde jetzt gern einen lustig-kritischen Kommentar dazu abgeben, aber mein Humor hat grad mit mir Schluss gemacht. Netterweise ist das ganze auch im A5 Format gehalten (die japanischen Bände sind gerade mal halb so groß), so dass wir unsere Augen nun mit extragroßen Illus von Yamada-sensei verhätscheln können. Ein netter Touch ist auch das Lesebändchen (dafür hätten sie lieber die Coverillus in Farbe abdrucken sollen!), während ich es eher schade finde, dass es keinen Schutzumschlag gibt. Ich steh auf die Dinger - in Japan hat prinzipiell jedes Buch sowas, egal wie billig (na gut, es gibt auch Combini Manga Ausgaben zu Dumping Preisen ohne, aber…).

Das eigentliche Problem ist die Bindung. Einmal Lesen und das Teil zeigt Auflösungserscheinungen. Meine japanischen Originalausgaben waren keine 20 Euro Luxus-Ausgaben, sondern stinknormale Tascchenbücher - die sehen noch völlig jungfräulich aus….

Übersetzung

Den beiden Übersetzerinnen (Heike Boudalfa und Kimiko Nakayama-Ziegler) kann ich nur mein herzliches Beileid aussprechen. Bei so einem Werk hat man irgendwie schon von vornherein verloren. Die Autorin, ONO Fuyumi, hat die nette Angewohnheit, viele (ja, wirklich richtig viele) neue Wörter zu erfinden, die dann einfach mal eine Aneinanderreihung ihrer derzeitigen Lieblings-Kanji sind. Die Kanji haben natürlich auch, je nach Tagesform, eine mehr oder minder passende Bedeutung - so bringt die bloße Wiedergabe der Namen in Romaji eigentlich keinem Fabelwesen was. Da allerdings die Alternative eine Übersetzung der Namen gewesen wär (allein beim Gedanken wird mir ziemlich unwohl in der Magengegend), können wir wohl noch von Glück reden. Verwirrend ist ein wenig, dass Vokallängen bei Namen nicht angegeben werden. So wird aus Yôko schlicht Yoko. Das entspricht natürlich der gängig-deutschen Idiotentaktik. Personen, die im Original mit Dialekt reden, labern auch in der Übersetzung frisch fröhlich auf Proletariersprech ‘rum. Das könnte man natürlich auch kritisieren, aber ich hab’ grad keine Lust dazu. Schön ist es, dass die Übersetzerinnen noch Fußnoten und ein Glossar beigefügt haben. Außerdem stehen da auch jedes Mal Kanji, wenn die Charas grad “Zeichen schreiben”.

Traurig ist auch irgendwie, dass Die Zwölf Königreiche ohne den kulturellen Zusammenhang eher wie nett-dumme Teeny-Literatur anmuten. Alte asiatische Konzepte von Ideal-Herrschaft und Co. werden hier mal in die Tat umgesetzt, philosophische Ideen wie das Mandat des Himmels werden absolut wort-wörtlich genommen, alte Fabelwesen laufen einem links und rechts über den Weg… es ist im Prinzip das, was Tolkien mit Herr der Ringe gemacht hatte: Die heutige Realität und unsere Mythen zusammenfassend mit der eigenen Fantasygeschichte Erklären. So wie Tolkien sich seine eigene Elfenversion zurecht spann (alles, was wir heute über Elfen wissen, sei ja völliger Mumpitz, so der Großmeister), ist Ono-sensei z.B. herrlich kreativ mit Kirin umgesprungen. Abgesehen davon, faszinierte mich schon immer dieses beinah aufklärerische Ideal, welches bei der Geschichte mitschwingt: Yôko erkämpft sozusagen selbst ihren Weg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Erwachsenwerden für Fortgeschrittene. Besonders deutlich wird das dann in Kaze no Banri, Meirei no Sora (gleich drei Heldinnen werden von rummeckernden, hilflos-zickigen Opfern der Umstände zu coolen, erwachsenen Weibsbildern). Natürlich setzt das ganze auch einen nicht gerade eben halbherzigen Schritt ins Feld der Kulturkritik. Durchschnittsjapaner werden dargestellt als relativ überzeugungslos - sie mobben, beten und leben halt einfach so vor sich hin, ohne sich was dabei zu denken. Der Weg des geringsten Widerstandes, der in Japan sogar noch ein Sahnetortenstück beliebter ist, als hierzulande, wird im Prinzip als Wurzel des Üblen dagestellt. Naja, imo natürlich. (Dies ist der perfekte Anlass, nen Kommentar abzulassen. *wink mit Zaunpfahl*)

Ach ja, zu dem ganzen gibt es natürlich auch noch einen Anime, der in D-Land bei Anime-Virtual erschienen ist. Der ist keine schlecht Umsetzung, allerdings zu Beginn etwas sehr kreativ…

Habe ich im Übrigen schon erwähnt, dass YAMADA Akihiro es echt und ernsthaft drauf hat? Hier mal zwei Scans von seinen Illus:

12kokki illu 1

Ein weiteres Bild:

12kokki illu 2

Der Mensch kann mit den verschiedensten Medien umgehen und überrascht immer wieder mit neuen Stil-Ideen. Ach ja, er hat auch bei RahXephon das Charadesign gemacht, wie eigentlich recht schwer zu übersehen is, wenn man zwei gesunde Augen und nen funktionierendes Hirn hat.

Hier noch mal die uns vorenthaltenen Originalcover von ihm:

Tsukinokage-kagenoumi1Tsukinokage-kagenoumi2

Eigentlich wär heute auch noch der Tag für’s nächste Japan Aktuell, aber ich bin grad viel zu fertig. Morgen dann.    [...mehr]


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