Der Yasukuni Schrein
Nachdem man “A” sagt, muss man auch “B” sagen. Da ich nun mit dem Link auf den Arte-Beitrag zum japanischen Einfall in Nanking offenbar einigen einen Grund zur Entrüstung geliefert habe, möchte ich heute mal ein wenig etwas über “die Verehrung von Kriegsverbrechern in Japan” bzw. (damit wir danach nicht alle an Depressionen leiden) über den Schrein, wo das ganze Stadtfindet: Der Yasukuni Schrein, im Chiyoda-Bezirk von Tokio (offizielle englische HP hier).
Den Schrein ließ der Meiji Tennô 1869 im Gedenken an die Opfer des Boshin Krieges, der effektiv das Ende des Shogunats (Edo Zeit, Tokugawa, schon mal gehört?) und die Wiedererstarkung des Kaisertums in Japan einleutete, errichten. Verehrt werden hier alle, die im Namen des Kaisers (Tennô) gefallen sind, sprich zunächst einmal sämtliche Soldaten, Zivile und Co., die in einem japanischen Krieg umgekommen sind. Dazu gehören nun logischerweise auch die Opfer (bzw. Täter) des zweiten Weltkrieges. Im Übrigen werden auch für Japan gefallene Chinesen (Taiwanesen) und Koreaner verehrt, die z.B. nach der Übernahme ihrer Gebiete für’s Reich an die Waffen mussten. Unter den rund 2,5 Mio Seelen, die im Schrein spuken, sind jedoch auch mehr als 1000 Kriegsverbrecher und davon 12 verurteilte der Kategorie A (sprich: die wirklich harten Fälle, in Sinne von “Verbrechen gegen die Menschlichkeit”). Und damit sind wir auch schon zum Herz des Problems vorgestoßen. Selbst die Japaner sind sich relativ uneins darüber, ob nun zusammen mit den zum Kamikaze-Selbstmord gezwungenen Soldaten diejenigen, die sie erst in die Flugzeuge setzen verehrt werden sollten. Was die Koreaner und Chinesen denken, sollte wohl jedem, der das Arte-Video angeschaut hat, klar sein: Nix. Jedesmal, wenn ein japanischer Politiker auch nur einen Kaffee im Tully’s schräg gegenüber trinkt, hagelt es offizielle Proteste.
Dabei können einem die Japaner eigentlich Leid tun. Shintoistischen Vorstellungen gemäß können sie nämlich eigentlich gar nicht anders, als gerade die Kriegsverbrecher anzubeten. Kommt nämlich jemand gegen seinen Willen ums Leben (ob nun durch Krieg oder sonstige Fälle von Mord und Totschlag), wird sein Geist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Lebenden heimsuchen und allerlei Unglück über’s Land bringen. Es sei denn, man besänftigt und verehrt ihn/sie, natürlich. Sind einem die Geister und Seelen der Ahnen dann wohlgesonnen, bedeutet dies natürlich im Gegenteil Glück und Wohlstand für’s Land. Aus dem selben Grund wird z.B. auch Michizane, der durch den Komplott seiner Rivalen aus der Hauptstadt Kioto ins abgelegene Dazaifu bei Hakata verbannt wurde, seit Jahrhunderten als Gott der Weisheit verehrt. Das Programm schlägt sich übrigens auch im Namen des Schreins wieder, denn der Yasukuni, wie er vom alten Meiji höchstselbst getauft wurde, ist der Schrein zur “Befriedung/Besänftigung des Landes”. Ich hoffe, ihr könnt jetzt selbst eins und eins zusammenzählen.
Warum viele Japaner trotzdem gegen die Würdigung von Kriegsverbrechern sind? Nun, der Durchschnitts-Japaner ist ungefähr genauso shintoistisch, wie nen Preuße christlich.
Soweit zur religiösen Seite. Die politische sieht ein wenig anders aus. Leider weisen die Broschüren, die im zugehörigen Museum über den zweiten Weltkrieg verteilt werden, geschichts-revisorische Züge auf. Da wird dann erzählt, dass der Krieg ja notwendig war, um für das Wohlergehen Asiens zu kämpfen. Ja, Koreaner sehen das anders. Taiwanesen im Übrigen teilweise nicht. Die jährlichen Besuche des Prämierministers Koizumi von 2001 bis 2006 werden wohl auch weniger religiös geprägt gewesen sein. Oder doch? Wollte er bei seinen Vorfahren um den Schutz des Landes beten? Wer weiß. Der Tennô, seines Zeichens Überboss der einheimischen Kami (Geister, Götter und alle, die es werden wollen), zumindest scheint sich entschieden zu haben: Der Shôwa Tennô setzte ab 1978 nie wieder einen Fuß in den Schrein und auch sein Sohn, der jetzige Heisei Tennô, ward noch nicht im Yasukuni gesehen. Zumindest nicht offiziell.
Koizumi der Held hat die Beziehungen zu einigen Nachbarländern um ein paar Jahrzehnte zurückgeworfen. Fukuda scheint da etwas besonnener zu sein…
Ja, na die Chinesen haben ja nun teilweise ihren Unmut gewalttätig zelebriert…
Koizumi scheint allerdings ein Ausrutscher gewesen sein, in dieser Hinsicht. Abwarten und Grüntee trinken.
Größere Sorgen als Schreinbesichtigungen würden mir allerdings umgeschriebene Geschichtsbücher u.ä. machen.
Leider weisen die Broschüren, die im zugehörigen Museum über den zweiten Weltkrieg verteilt werden, geschichts-revisorische Züge auf. Da wird dann erzählt, dass der Krieg ja notwendig war, um für das Wohlergehen Asiens zu kämpfen.
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Super! Japan führte den 2. Weltkrieg, um für das Wohlergehen Asiens zu kämpfen. Um Asien aus der Kontrolle von westlichen Mächte zu befreien, musste Japan den 2. Weltkrieg führen, und Herr von Asien sein. Wie logisch! Erkläre bitte es den Opfern in dem Krieg, wie die Kriegsverbrecher ihre Wohlergehen sorgen. Durch ihre Heimat zerstören und sie töten?
Ich bin nicht dagegen, alle Seelen- auch die Kriegsverbrecher- in diesem Schrein ruhigen können. Aber es ist gar nicht geeignet, ein japanischer Premierminister zollt Kriegsverbrechern seine Anerkennung.
„Wäre es Koizumi tatsächlich darum gegangen, seinen Respekt gegenüber den im Zweiten Weltkrieg gefallenen gewöhnlichen Soldaten zu zeigen, hätte er sich auf den Besuch des Grabmals des unbekannten Soldaten beschränken können, den er am Mittwoch unternahm. Dieses Denkmal ruft keine der politischen oder religiösen Assoziationen hervor, die mit Yasukuni verbunden sind. Seine Hochachtung vor dem Yasukuni-Schrein zu bezeigen ist alles andere als ein unschuldiger politischer Akt.“
@Li: Tja, das kann ich nur unterschreiben. Man tut sich ein wenig schwer, beim Yasukuni so eine Broschüre in die Hand gedrückt zu bekommen - am besten noch von einem netten Oppa, der einem das ganze mit dem “wohlwollenden Krieg” noch einmal erklären möchte - und dann trotzdem ruhig zu bleiben und nicht wahllos auf ein paar Japaner loszugehen. Da besagte alte Herren meistens auch noch Deutschland für seine Taten im zweiten Weltkrieg loben und so Dinge sagen wie: “Den nächsten Krieg gewinnen wir!” kann man leider das ganze auch als Deutscher nicht mit größerem Abstand betrachten. Für Asiaten muss es freilich ein noch viel emotionaleres Thema sein. Meine (chinesische) Chinesisch-Lehrerin in der Schule wollte mir damals einreden, dass die Deutschen ja nie so brutal wie die Japaner hätten sein können. Das zeugt einerseits natürlich von einer relativ narzistischen Unkenntnis der näheren Geschichte ihrerseits, ist aber wohl andererseits auch eine eindeutige Ansage: Japaner haben sich im zweiten Weltkrieg wie Schweine benommen und versucht, ihre Weltherrschaftsansprüche mit fadenscheinigen Philosophien zu begründen. Da hilft’s leider auch nicht, dass auch andere Dreck am Stecken haben.
Natürlich wäre es naiv anzunehmen, dass Koizumi am Yasukuni nur seine Ahnen besänftigen wollte. Einige (das in Japan doch relativ aktive Grüppchen der Veteranen, Geschichtsrevisionisten und Spinner) freuten sich - viele Japaner waren dagegen. Den japanischen Diplomaten hat Koizumi sicherlich die Arbeit nicht leichter gemacht. Solche Tatsachen erinnern einen immer wieder daran, dass es in Japan zwar in Folge der “‘68er Revolution” Studentenproteste gab, die aber nicht ansatzweise die Auswirkungen (sprich Aufarbeitung der Kriegsschuld, Entnazifizierungsversuche und auch Gleichberechtigung der Geschlchter) hatten wie bei uns.
Übrigens: Woher hast du denn das Zitat? (Wenn du zitierst ist es sinnvoll, wenn du gleich eine Quelle angibst, weil besser nachvollziehbar.)
Ganz abgesehen davon, würde ich dich allerdings auch darum bitten, daran zu denken, dass Japaner nicht unbedingt mit Koizumi und Co. einverstanden waren/sind. Diejenigen, mit denen ich mich unterhalten habe (und zwar in allen Altersklassen), waren sich bis auf ein, zwei Spinner durchaus der Problematik bewusst. Sie wussten, wie Japan sich im zweiten Weltkrieg verhalten hatte und waren beinah einhellig der Meinung, ihr Land solle sich doch einfach mal entschuldigen. Es ist nämlich auch nicht leicht, als Teenager in der heutigen Zeit plötzlich Opfer eines chinesischen Hassmobs (ich denke da grad an die Massen”proteste” gegen Japaner in China vor ein paar Jahren) zu werden, weil die Zeitgenossen der Urgroßeltern kleine und große Schweine waren. Einige meiner Freunde vertraten gar die Meinung, der Yasukuni solle doch einfach platt gemacht werden…
Die Japaner, insbesondere Koizumi, haben im Gegensatz zu dem verkommenen antinationalen Abschaum in Deutschland nicht die Eigenschaft, ihre Vorfahren in den Dreck zu ziehen, um die eigene schmutzige Existenz als Demokratenverbrecher zu legitimieren, und fremden Mächten, darunter den größten Gangstern der Weltgeschichte, den US-Amerikanern und Briten, willig zu dienen.
Und in der Tat: Die Revolte des 68er-Menschenmülls ist den Japanern erspart geblieben.
Plattmachen sollte man die diversen Gedenkstätten der BRD.




