Geisha – Die japanische Unterhaltungskünstlerin

Die traditionelle Geisha gehört genauso zu Japan wie Kirschblüten und Kimono. Weiß geschminkte Gesichter, rote Lippen und bunte Gewänder zeichnen die streng ausgebildeten Frauen bis heute aus. Doch ihre Erotik wird mit Prostitution verwechselt und ihre Kunst mit Sklaverei.


Im Land der aufgehenden Sonne ruhen viele Geheimnisse. Eines davon ist der Zauber der Geishas mit ihrer, nach dem japanischen Ideal, auffallenden Schönheit und einzigartigen Kunstfertigkeit. Die japanische Unterhaltungskünstlerin hat eine lange Tradition und passt sich vorsichtig an das sich wandelnde Frauenbild in Japan an.

Beruf mit langer Tradition

Die Geisha ist der Bezeichnung nach eine „Person der Künste“. Ursprünglich diente die Figur der Unterhaltung am Hofe und wurde nur von Männern ausgeübt. Doch seit Mitte des 18. Jahrhunderts arbeiteten viele Frauen als Geishas in den Teehäusern der Rotlichtviertel in Japan. Ihr Ansehen litt unter dem Vergleich mit den Kurtisanen und tatsächlich boten Geishas auch vereinzelt Prostitution an.

Sie lebten in Okiyas (Frauengruppen) in den so genannten Hana-Machi-Vierteln vor allem in der ehemaligen Kaiserstadt Kyoto zusammen. Diese euphemistisch benannten „Blumenviertel“ waren eine Art Vergnügungsviertel der Städte. Nach einer behördlichen Trennung der zwei Berufe Mitte des 19. Jahrhunderts stieg ihr Ansehen rasant an. Ihr Status wurde zur Kultur des Landes erklärt und sie genossen bei Prominenz und Politik hohes Ansehen bis hin zur Heirat.

Harte Ausbildung von der Maiko zur Geisha

Früher wurden die Maikos, die „Azubis“ zur Geisha, schon im frühen Kindesalter in die Ausbildung genommen. Heute beginnt sie im Alter von ca. 13 Jahren und dauert ungefähr 5 Jahre. Die Ausbildung umfasst viele Felder. Die Maikos bekommen eine intensive Geschichtsstunde ihrer Tradition und Kultur. Sie erlernen die wichtigsten japanischen Künste wie die Kalligrafie (künstlerisches Schönschreiben) oder das Spiel mehrerer japanischer Musikinstrumente wie das lauteartige Shamisen.

Außerdem erlernen sie die Kunst der Gesprächsführung und klassische traditionelle Tänze und Lieder. Natürlich werden sie auch in die Kunst, sich als Geisha zu schminken, ihre Haare zu kunstvollen Frisuren zu stecken und den Kimono zu binden, eingeführt.

Vorurteile und Wandel der Geishas

Wenn man in Europa an Geishas denkt, kommt das Gespräch oft auf Kindesentführung, Zwang, Sklaverei, Konkurrenzkampf und Prostitution. In Filmen wie „Die Geisha“ (2005) von Rob Marshall wird dieses Schicksal der Geishas suggeriert. Sicher kann man die Kunstfigur der Geisha mit dem modernen Escordservice vergleichen, doch eine Gleichsetzung wäre eine Fehlinterpretation der japanischen Kultur.

Das Bild der Geishas hat sich wie das japanische Frauenbild im Wandel der Zeit verändert. Während früher im Beruf der Geisha die einzige berufliche Tätigkeit der Frau bestand, machen junge Japanerinnen heute eher in Industrie, Bankwirtschaft oder im Handel Karriere. Aus diesem Grund gibt es heute auch nur noch einige hundert Geishas, die zumeist auch nur eine Basis der traditionellen Ausbildung durchlaufen haben.