Japan aktuell: Auf dem Weg zurück zur Atomkraft

Über ein Jahr ist vergangen seit das Atomkraftwerk in Fukushima das Land in eine Tragödie stürzte. Die 50 AKWs wurden nach der Katastrophe abgeschaltet, um sie auf ihre Sicherheit hin überprüfen zu können. Seit Mitte Juli sind zwei der Meiler wieder am Netz.

Japans Bürger sind entsetzt über die Pläne von Premierminister Noda. Politik und Wirtschaft planen die schrittweise Rückkehr zur Atomkraft.

Das löste in der Bevölkerung heftige Proteste aus, knapp acht Millionen Unterschriften wurden gegen das Vorhaben gesammelt. Die Regierung zeigt sich bislang unberührt

Japan und die Atomkraft

Die Entrüstung der Bevölkerung ist nachdem was geschehen ist nur allzu verständlich. Mehr als 150.000 Menschen demonstrierten gegen das Vorhaben der Politik, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Warum also will Japan die Rückkehr zur Atomkraft erzwingen? Gibt es keine Alternativen?

Etwa ein Drittel seines Stromverbrauchs tilgte Japan durch die Atomkraft. Nach den Vorfällen in Fukushima musste es auch ohne die nukleare Energie gehen. Zurzeit deckt Japan seinen hohen Energiebedarf größtenteils mit Kohlekraftwerken ab. Das bringt zwei Probleme mit sich: Zum einen muss die Kohle teuer aus dem Ausland importiert werden, zum anderen steigen so die CO2 – Werte deutlich an, was auf Dauer das Erreichen der Klimaziele in weite Ferne rücken würde. Kohlekraftwerke sind also eigentlich keine Alternative zum Atomstrom.

Erneuerbare Energie als Alternative zum AKW?

Zum Glück ist Kohle nicht die einzige Möglichkeit zur Stromerzeugung. Japan könnte verstärkt auf erneuerbare Energien setzen. Mit Sonne und Wind wird man dem Energiebedarf aber nicht gerecht werden. Das Meer an Japans Küsten fällt steil ab, was für Offshore-Anlagen ungünstig ist. Auch die Solarenergie wäre im Land der aufgehenden Sonne nicht effizient genug. Ein Ass hat Japan aber noch im Ärmel: die Geothermie. Die zahlreichen heißen Quellen im Land könnten einiges zur Energieproduktion beitragen. Greenpeace geht davon aus, dass Japan auch ohne Atomenergie keine Stromengpässe fürchten muss (mehr Infos auf dieser Seite). Erneuerbare Energien in Zusammenspiel mit intelligentem Management und sinkendem Verbrauch könnten demnach den Bedarf decken.

Bleibt die Frage, wie sehr der Pro-Kopf-Verbrauch gesenkt werden kann. Während die meisten Zeitungsartikel gerne den hohen Energieverbrauch der Japaner verteufeln, sprechen die Zahlen der Weltbank eine andere Sprache. Ein Vergleich mit Deutschland und den USA zeigt: der Japaner verbraucht kaum mehr Strom als der Deutsche – und niemand soviel wie die Amerikaner (hier gibt es die Daten). Es scheint also aus deutscher Sicht nicht gerechtfertigt den Japanern einen zu hohen Energiebedarf zu unterstellen. Zurzeit fehlen aber genaue Zahlen zu den Möglichkeiten der Geothermie. Vielleicht könnte bei effizienter Nutzung der Quellen die Energielücke geschlossen werden.

Solange sich die Bevölkerung gegen die Atomkraft wehrt ist noch nichts entschieden. Es ist also noch offen, welchen der drei Wege Japan einschlagen kann und wird: Atomkraft, Kohlekraftwerke oder Erneuerbare Energien? Bleibt zu hoffen, dass die Regierung den Weg geht, der für alle am besten ist und nicht einfach dem günstigsten Weg folgt: dem der Atomlobby.