Japan Aktuell – Dez/3 – KW50&51

Zusammenfassung der japanischen Nachrichten für die Woche vom 10.12. bis 16.12.2007 und vom 17.12. bis 23.12.2007.
News der vorhergehenden Woche

Ich hatte irgendwie weder Lust, noch Zeit die letzten zwei Wochen Zeitungen zu lesen. Neben Weihnachten hat’s bei uns auch noch eine Reihe Familienfeierlichkeiten, die abgefrühstückt werden wollten und zwischen Torten, Salaten und Börek-Bergen hat man andere Probleme als wer nun grad wieder wen auf der anderen Seite des Globus geägert hat.

Update zu KW45 und KW49: Kritik an Todesstrafe
Louise Arbour, hohe Kommissarin für Menschenrechte bei der UN (hört auch auf die schmucke Abkürzung UNHCHR), kritisierte die japanische Regierung dafür, dass sie Todesstrafen ohne Vorwarnungen durchführt und in der letzten Vollstreckungsaktion auch einen 74-jährigen hinrichtete. Natürlich wird auch die Art der Strafe an sich kritisiert – in den nächsten Wochen wird vorraussichtlich eine UN Resolution verabschiedet werden, die eine gänzliche Abschaffung der Todesstrafe fordert. Dieses Jahr lag die Zahl der Vollstreckungen in Japan mit 9 Fällen so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Im Oktober hatte sich der 81-jährige Menda Sakae – er war vor 24 Jahren selbst grad noch einmal der Todesstrafe entkommen – eigens zum Hauptquartier der UN aufgemacht, um um Unterstützung im Kampf gegen die staatlich verordneten Tötungen zu bitten.
Quelle: Breitbart

Update zu KW44, KW46 und KW47: Japaner pro Ausländer
Man möge meinen, Japaner hätten was gegen böse Ausländer. An jeder Straßenecke rufen Plakate zum gemeinsamen Kampf gegen illegale Einwanderer auf und Fingerabdrücke muss nun jeder Gaijin abdrücken. 1988 hatte das Kabinett beschlossen, dass Spezialisten zwar gute Ausländer wären (insbesondere Informatiker, die dann für ‚n‘ Sushi und ‚n‘ Nikuman Englisch unterrichten und bald wieder nach haus gehen), Unausgebildete hingegen dem Kaiserreich fernzubleiben wären. Laut einer Umfrage der Mainichi Shimbun sieht das eine Mehrheit der Japaner anders: 63% sind der Meinung, dass auch Billiglohnkräfte und unausgebildete Arbeiter ruhig ein wenig die einheimischen Straßen kehren dürften. Also ist doch noch nicht aller Tage Abend.
Quelle: Mainichi Shimbun

Update zu KW49, Yasukuni-Schrein und Arte-Bericht: Nanking-Verleugnung
Anlässlich des 70. Jahrestages des Nanking Massakers wittmeten sich nicht nur chinesische und westliche Filmemacher dem Thema – Mizushima Satoru hält mit „The Truth about Nanking“ dagegen. In dem Film behauptet er, dass die japanische Armee Frieden ins chaotischen Nanking gebracht hätte und möchte verhindern, dass japanische Kinder den Staat ihrer Großväter (Urgroßväter) für barbarisch halten. Dazu fällt mir eigentlich nix Schlaues mehr ein. Nehmen wir es als Sieg der Demokratie, dass auch solche Menschen die Meinung kundtun dürfen. Banzai.
Quelle: Reuters

Update zu KW46: US fordert Ende der Buckwaljagd
Eigentlich ist mit der Überschrift schon alles gesagt. Nachdem Australien, Europa und die USA Protest eingelegt hatten, haben sich die japanischen Verantwortlichen zwar beraten, was zu sei, doch getan wurde bis jetzt herzlich wenig. Diesen Zustand kritisierte nun US-Botschafter Thomad Schieffer und versucht weiter die Regierung dazu zu bringen, die Jagd zumindest bis zur internationalen Walfangkonferenz im Juni zu stoppen.
Quelle: AP/ via Google-News

Kriegserklärung an Kamikaze-Radler
Die Polizei von Aichi hat die Nase gestrichen voll: Dieses Jahr verteilten sie 92 Knöllchen an radfahrende Verkehrssünder – und dabei war es im Jahr zuvor sage und schreibe eines (also ein Strafzettel) gewesen. Jeder, der schon mal über einen japanischen Bürgersteig spaziert ist, wird wissen, dass die Radler in Japan nicht etwa plötzlich in gemeingefährliche Kamikaze-Raser mutiert sind. Sie waren es schon immer und seit jeher. Da die Zahl der Fahrradunfälle sogar angestiegen war – um rund 2000 Vorfälle auf 13.000 im Jahr 2006 – nahmen die Ordnungshüter die rosa Brille endgültig ab und verknacken gnadenlos jeden Verkehrsraudi. Wer unter Alkoholeinfluss fährt, muss sogar mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.
Quelle: Mainichi Shimbun

Strafe für Sankei Shimbun
Die Sankei Shimbun muss 3,3 Millionen Yen als Kompensation an den 37-jährigen Firmenhäuptling Islam Mohamed Himu zahlen. Als dieser anno 2004 für Betrügereien 300.000 Yen hinblättern musste, hatte die Sankei ihm am darauffolgenden Tag Verbindungen zur Al Qaeda vorgeworfen – auf der Titelseite. Für einen Geschäftsmann ist das natürlich mehr als nur schädlich; dementsprechend nun auch das Urteil von Richter Akiyoshi Hitomi.
Quelle: Mainichi Shimbun

US Botschaft zahlt Miete!
Japan hat so sein Kreuz zu tragen mit den Amis. Im zweiten Weltkrieg wurden sie nunmal besiegt und eigentlich ist es ja die US Armee, die unsere lieben Inselaffen vor den roten gelben Nachbarn schützt. 1998 litten die Vereinigten Staaten offenbar ein wenig unter Geldmangel und hatten so ein paar über hundert Jahre alte Papierchen vom Speicher geholt, welches den Mieter des Landfleckchens im Minato-Bezirk vor Preiserhöhung schützen sollte. Also weigerten sie sich fortan schlicht, mit den Scheinchen rüberzurücken. Nun haben sie sich überreden lassen, doch noch 7 Millionen Yen pro Jahr für die Jahre zwischen 1998 und 2007 nachzuzahlen und von 2008 bis 2012 10 Mio, und 2013 bis 2027 15 Mio pro Jahr hinzublättern. Halleleluja!
Quelle: Mainichi Shimbun

Noch weniger Verbrechen
Japan ist doch eigentlich schon so ziemlich das sicherste Land der Erde. Nun ist die Anzahl der Verbrechen zum ersten Mal seit 10 Jahren wieder unter die 2 Millionen-Marke gepurzelt. Die Kriminalitätsrate befindet sich damit seit 5 Jahren auf dem absteigenden Ast. Die Regierung behauptet zwar standhaft, dass dies mit den drastischen Gegenmaßnahmen und erhöhten Kontrollen der japanischen Verbrechensbekämpfer seit dem Negativ-Rekordjahr 2002 zusammenhinge, doch ich bin ja eher der Auffassung, dass der Zusammenschluss der Erzrivalen Square und Enix den Gangfights, Straßenkämpfen und sonstigen Bandenrivalitäten ein Ende bereitete. Die Rate der Morde ist übrigens um 10 auf 26 in diesem Jahr gestiegen.
Quelle: Breitbart

Kamikaze-Rentner
Je oller je doller: Dieses Jahr im Oktober hatte er seinen Führschein wegen Fahrerflucht verloren – nun wurde der Sendai-aner nicht nur beim Fahren erwischt, sondern hätte auch beinah eine Grundschülerin umgefahren. Das schön: Der wehrte Herr ist schon 100 Jahre alt. Das Auto, so verteidigte er sich, sei sein Jungbrunnen. Aha. Ab 2009 müssen sich in Japan über 75-jährige übrigens jährlich auf Demenz testen lassen…
Quelle: Japan News Review

Papp-Nikuman in Akiba
Ein Hoch auf die Akihabaren! Vor einigen Monaten lästerten die japanischen Medien darüber, dass die Chinesen Pappe futtern würden. Hier noch mal der Bericht (auf Japanisch, aber allein vom Hinsehen bekommt man Appetit :P):

[youtube jXlnuF3tgpk]

Mittlerweile wurde das ganze als Hoax entnervt – aber Otaku haben nunmal Humor, wenn auch einen etwas seltsamen. Deswegen gibt es jetzt in Akihabara in Richtung U-Bahnstation Papp-Nikuman. Leider werden die fleischgefüllten Teigtaschen (bzw. „Hamburger“ laut der deutschen Sailor Moon Übersetzung) doch keine abgeseihte Baumrinde, sondern die normalen Zutaten enthalten. Und ich hatte mich schon auf vegetarische Nikuman verfreut…
Quelle: Japan News Review

Copyrigh-freie Filme
Der oberste Gerichtshof Japans sprach und die Fans klassischer Filme freuten sich: Filme, die 1953 oder früher gedreht wurden, sind allesamt und ohne Ausnahmen umsonst – will heißen, nach den nunmehr verstrichenen 50 Jahren seit das Copyright abgelaufen. 2003 wurde zwar eine Verlängerung der Halbwertszeit auf 70 Jahre erwürgt, doch lässt sich zumindest die japanische Rechtsprechung nicht auf den Arm nehmen, auch nicht von Hollywood, und lässt diese Verlängerung nicht etwa rückwirkend gelten. Die Geister schieden sich an Paramounts Film „Shane“ aus dem Jahre 1953, welcher nunmehr zum Abschuss freigegeben wurde.
Quelle: Asahi Shimbun