Japan Aktuell – Nov/4 – KW47

Zusammenfassung der japanischen Nachrichten für die Woche vom 19. bis 25.11.2007
News der vorhergehenden Woche

Langsam könnte ich schon für die Woche drauf was schreiben. War leider sehr beschäftigt (= habe mir Galileo bis Folge 7 reingezogen. Sorry, ging nicht anders. ^-^;;;) Zwischen Dienstag und Donnerstag habe ich aber sowie so irgendwie keine Zeit zum bloggen. Ich sollte mich mit den „News“ auf den Sonntag verlegen…

Update zu KW 46: Japaner doch nicht feige
Der Dalai Lama tourt durch die Welt und die Chinesen finden’s gar nicht toll. Dafür, dass die USA dem religiösen Führer eine Medaille gegeben haben, verweigerte China z.B. deren Schiffen an Thanx-Giving das Anlegen in HongKong. Nun zeigen sich die Regierenden Japan’s doch weniger feige, also geplant: HATOYAMA Yukio, Rädelsführer bei der demokratischen Partei, gab bei einem öffentlichen Kaffeeklatsch mit dem Tibeterfürsten zu, ein Sympatisant zu sein. Schaun mer mal, was die Chinesen dazu sagen werden…
Quelle: The Japan Times

Update zu KW 44: Kirschblüte mitten im Winter
Oh, holde Vergänglichkeit. Vor einigen Wochen noch redete ich über Herbstblätter und die Liebe der Japaner zu solchen. Natürlich gibt es da etwas, was den Japanern noch lieber ist: Kirschblüten. Die blühen leider nur im Frühjahr. Eigentlich. In Fujioka, Gunma, kann man sich auch jetzt an ca. 7000 pink-weißen Bäumchen erfreuen. Nein, nicht aus Plastik, sondern so richtig echt. Der Park heißt passenderweise Sakurayama (Kirschblütenberg) Shinrin. Ein Bildchen gibt es hier.
Quelle: Mainichi Shimbun

Update zu KW 44: Proteste gegen Fingerabdrücke
Jetzt hat selbst der Spiegel dem Phänomen einen kleinen Bericht gewittmet (mit dem freundlichen Hinweis darauf, dass Ausweise mit Fotos ja auf der ganzen Welt, außer halt Japan, üblich seien – schönen Gruß von Planet Germany, ne). Interessant fand ich die Bemerkung, dass die gesammelten biometrischen Daten auch mit anderen Behörden geteilt werden dürfen. Demnächst weiß also alles von BKA bis Mossad, wenn ich nach Japan fahre? Schön. Sind die US Fingerabdrückchensammler eigentlich ebenso kooperativ? Wie dem auch sei, protestieren in Lalaland derweil einheimische Bürgerrechtler, wie auch internationale Organisationen gegen die Sammelwut. Am Montag, den 19. November (also zwei Tage vor dem Start der Aktion), erklärten sich 67 versammelte Bewegungen öffentlich nicht einverstanden, während die Fans der neuen Gesetzgebung Ende der Woche bereits die Ausweisung bzw. Ablehnung der ersten 11 bösen Ausländer feierten. Sich einfach mal weigern hilft übrigens nicht, denn die Zollbeamten dürfen zur Not auch ein bisschen ruppig bis handgreiflich werden. Aufgrund der internationeln Proteste scheint es jedoch noch möglich, dass sich japanische Politiker doch noch einmal genauer mit dem Thema befassen und vielleicht merken, dass Terroristen eigentlich eher von der Insel selbst kommen. Dann können sie sich endlich dazu bekennen, dass es eigentlich gar nicht um Terrorabwehr oder ähnliches geht, sondern schlichtweg darum, dass die ganzen Blondies und Dunkelhäutigen den Japanern langsam aber sicher auf den Reiskeks gehen.
Quelle: Breitbart.com

Die letzten Samurai
Eigentlich möchte man meinen, die Ära der schwertschwingenden Samuraiklans, die sich um japanische Burgen und Schlösser (langweilige, mehrstöckige Häuser) kloppen, sei vorbei. Aber Pustekuchen mit Schokosoße. In Nakatsu, seines Zeichens drittgrößte Stadt in der Oita Präfektur (also am AdW), kämpft der Klan der Okudaira erbittert um den Stammsitz der Fürstenfamilie. Leider nicht fimchenreif auf Pferden mit antiken Waffen, sondern ganz modern vor Gericht. Das ganze liest sich wie eine Episode Lindenstraße: Masayuki O. ließ sich beim Amt als adoptierter Sohn von Takako O. eintragen. Takako wollte aber gar nicht Mama werden, doch weil sie in Tokio wohnte und keinen Bock hatte, nach Kyûshu zu fahren, ignorierte sie das ganze zunächst. Doch nun beabsichtigt Masayuki O. niederträchtigerweise das Familiengut zu verkaufen. Die Stadtverwaltung von Nakatsu war schockiert und petzte bei Takako O. Ach ja, bevor Masayuki O. zu einem Okudaira wurde, hatte er sich schon mal von einer Kazuo S. zum Sakamoto adoptieren lassen… Das neueste Meisterwerk von Akira KUROSAWA wird vielleicht nicht draus, aber als J-Dorama oder Telenovela eignet sich das ganze durchaus…
Quelle: Mainichi Shimbun

One-Seg: DS TV Hit in Japan
Yep. Japaner lieben Zusatzfunktionen für ihre Konsolen. Ich erinnere mich liebevoll an ein Bügeleisen für’s SNES (allerdings kenn ich das nur als Foto aus der… Total! oder war es die SuperPlay? oder noch was anderes?). Egal. Es gibt neuesterweise einen TV Tuner für den GameBoy DS. Jeder, der ein wenig im Web rumgeistert sollte auch schon entsprechende Meldungen z.B. bei N-Zone oder vielleicht einer englischsprachigen Business-Seite gesehen haben: Obwohl Ninty eigentlich keine Werbung für ihr neuestes Spielzeuchs gemacht haben, konnte ihre Homepage der japanischen Vorbestellwut kaum Stand halten und landete zwischendurch immer wieder auf der Nase. Da andere schon wortgewaltigerweise festgestellt haben, dass das DS TV beliebt sei, kann ich der Zahlhascherei geschickt ausweichen und mich gleich der richtigen Info hingeben.
Im Gegensatz zu den meisten anderen MobilTV-Geräten hat das DS zwei Bildschirme. Deshalb kann man praktischerweise beim Fernsehen nicht nur per Touchpad leichter die Kanal wechseln oder Lautstärke und Helligkeit einstelligen, sondern auch jeden möglichen anderen Unfug mit dem Gerät anstellen, wie zB Notizen schreiben, Screenshots machen usw. Wenn einem das Bild auf dem DS Bildschirm zu groß ist, kann man das ganz auch gedreht anschauen (frag mich mal einer nach dem Sinn). Zudem kann man sich per zweitem Bildschirm zeitgleich Videotext, Untertitel und sonstige Zusatzinfos lesenderweise zu Gemüte führen. Ein echter Vorteil gegenüber Handy und Co. Interessieren würde mich auch mal, ob man währenddessen auch GameBoy Advanced Games auf dem unteren Bildschirm spielen kann. Bevor ihr in Freudentaumel verfallt: Das DS TV wird es nach jetztigem Technikstand bei uns wohl erst mal so nicht geben. In Japan läuft MobilTV nämlich über One-Seg. In Japan wird der terrestrische Rundfunk in 13 Segmente geteilt ausgestrahlt. Seit dem 1. April 2006 wird davon speziell für mobile Rundfunkempfänger, z.B. mit das Handy oder ein Navigationssystem im Auto, davon ein Segment („One-Seg“) ausgestrahlt. Zur Komprimierung wird der h264 Standart im MPEG4 Format mit dem HE-ACC Audio-Codec verwendet. Die Auflösung beträgt maximal 320×240 pixel bei einer Bitrate von 220-320kbit/s. NTT DoCoMo hat für diejenigen von euch, die des Englischen mächtig sind, eine kleine Einführung ins Thema One-Seg. Ja, ich habe zu dem Thema mal eine Hausarbeit geschrieben. Fragt mich nach Details!
Hier noch das offizielle Werbevideo:

[youtube HeCZS9KJF_Y]

Fotos und zwischendurch nen paar begeisterte Worte gibt es bei dannchoo.com.
Quelle: J-Cast, copy&past aus meinem Wii Plock (sorry, warum zweimal schreiben? :P)

Mehrwertsteuererhöhung 50/50
Die Yomiuri will in einer Umfrage ermittelt haben, dass sich 50% aller Japaner für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer aussprechen, um das Sozialsystem zu retten. Wenn ich an die horrenden Medikamentenzuzahlungen und niedrigen staatlichen Renten denke, frage ich mich dabei, von welchem Sozialsystem die reden. Dabei sollte vielleicht erwähnt werden, dass 48% dagegen stimmten, aber hey. Interessant auch, dass wiederum nur 32% sich bereiterklärten, mehr Steuern zu bezahlen. Wie jetzt? Sind die restlichen 18% Arbeitslose? (Wo haben die die Umfrage gemacht? Im Ueno Park unter den Bewohnern der hübschen Siedlungen mit den blauen Zelten?)
Wenn nun aber, wie offenbar der Fall, der Trent zu einer größeren Zustimmung zur Mehrwertsteuer geht, dann könnte das auch die Politiker dazu bewegen, sich entsprechende mit dem Thema zu befassen. Dazu muss man sagen, dass in Japan die Mehrwertsteuer mit 5%, ähnlich wie in den USA, ziemlich niedrig veranlagt ist. Man vergleiche das ganze mit den 19% in Teutschland, wo die Mehrwertsteuer mit dem Hinweis auf viel höhere Werte in anderen Ländern erhöht wurde… Was bedeutet das eigentlich für uns? Ganz klar: Möglichst jetzt gleich noch möglichst viel einkaufen. 😉
Quelle: Yomiuri Shimbun

Louis Vuitton wird Lackaffe
Wer einmal mit offenen Augen durch Shibuya gelaufen ist, wird wissen, was Louis Vuitton ist. Naja, zumindest hat er schon mal eine LV gesehen, denn die hässlichen, kackbraunen hängen von jedem zweiten dünnen Girlyärmchen. Nun wird es bald nicht nur Täschchen, sondern auch Lackware von Louis Vuitton geben: Pierre (Louis Vuitton, der 6. – mit Pierre haben sie dem Louis echt noch einen drauf gesetzt, was Kreativität in der Namensgebung angeht) hat sich bereits die fertigen Lackboxen mit dem LV Blümchenmuster angeschaut. Die 157.500 Yen Dinger mit dem Codenamen „Wajima“ sind übrigens hauptsächlich schwarz mit nur einigen Stellen im traditionellen Ekelbraun. Die Japanerinnen werden freilich zuschlagen. Also nicht mit der Tasche auf den Dieb, sondern beim Einkauf jetzt. Ist auch gar nicht mal böse kapitalistisch, denn die Erträge werden den Erdbebenopfern aus der Ishikawa Präfektur (im März 2007 hatte es auf der Noto Halbinsel eine solche Naturkatastrophe gegeben) zu Gute kommen. Da sage mal einer, die Kaufwut der Japanogirlies hätte nicht auch was Gutes.
Quelle: Mainichi Shimbun, Louis Vuitton HP