Meitantei no Okite – The Conditions of Great Detectives – Filmclub Review

Wusstet ihr, dass es auf der ganzen Welt gültige Regeln für Krimalromane gibt, mithilfe derer die Geschichten überhaupt erst spannend werden? Für die Charaktere sind diese Regeln die Grundvorraussetzungen, die sie erfüllen müssen:

Der Hauptcharakter, der Meisterdetektiv, löst die Fälle elegant und unfehlbar. Sein Partner, der Polizist, erfindet hahnebüchende Theorien und ermöglicht dem Meisterdetiktiv seinen großen Auftritt. Die Heldin, oft eine Polizistin, verliebt sich in den Hauptcharakter – vielleicht. Diese Geschichte erzählt, wie diese Drei unzählige Fälle lösen und dabei die Grundvorraussetzungen für Meisterdetektive erfüllen, denen sie nicht entrinnen können.

Da am 2.Juli mein Laptop VisitorQ nicht mochte, waren wir im Filmclub dazu verdammt das einzig andere zu schauen, was ich noch mit hatte: Das 10-teilige J-Drama aus der frisch verronenen Frühlingsstaffel 2009, Meitantei no Okite (hier der Drama-Wiki Eintrag). Eigentlich wollte ich ohnehin unsere Diskussionen festhalten wollte, fange ich mit dem einfachsten an: Zu Meitantei no Okite hatte nämlich außer mir nicht wirklich wer was zu sagen. Wobei, doch: Caro murmelte „Gott, ist das schlecht,“ kurz bevor sie aufstand und lieber auf eine Grillparty verschwandt. 😛

Der Inhalt ist relativ simpel: Der Meisterdetektiv Tenkaichi Daigoro (Matsuda Shota aus dem japanischen HanaDan) löst mit Hilfe der beiden Polizisten Fujii Mana (Kashii Yu aus Water Boys) und Okawara Banzo unzählige Fälle. Doch der eigentliche Scherz an der Erzählung von Galileo Author Higashino Keigo ist ein anderer: Die Charaktere wissen, dass sie in einem Krimiroman leben und kennen die Regeln. Das Resultat ist eine Mischung aus lächerlichem Herumgerenne, typisch-japanischem Humor und einer interessanten Diskussion über die Klischees, die Krimiromane bisweilen unfreiwillig komisch machen:

Der coole und hübsche Meisterdetektiv löst alle kniffligen Fälle vor großem Publikum.

Die Heldin wird in allerlei hübsche und lächerliche Klamotten gesteckt.

Es gibt eine sexy Badeszene mit nackter Haut.

Ein Übeltäter wird vom Wagen überfahren. Glücklicherweise ohne Sponsoren zu beleidigen.

Die Heldin darf auch mal ein Rätsel lösen (auch wenn die Filmversion hier gegenüber der Romanversion vereinfacht ist, wie uns die Helden vor laufender Kamera berichten).

Die Eltern der Heldin werden vom Hauptchara aufgesucht (ein exklusiv japanisches Phänomen).

Der Detektiv verliebt sich auch mal.

Eine Transvestiten Episode, bei der keiner erkennt, dass hinter der bildhübschen Dame eigentlich ein Kerl steckt gibt’s auch. (Das schöne daran ist übrigens, dass der Herr der eigentlichen Dame wirklich ähnlich sieht. ^_^; )

Es hat Meidos in Miniröckchen.

Tiefe Freundschaft.

Hilfspolizisten, die ihr Frühstück am liebsten neben einer frischen Leiche verzehren.

Die Stunds werden natürlich von einem Double durchgeführt.

Gnadenlos werden nicht nur alle Klischees sklavisch verfolgt, sondern auch in der Serie selbst diskutiert. Dazu verflüchtigen sich die Charaktere in einen separaten Raum.

Die Idee ist gut. Jeder Geschädigte abgedroschener Krimiromane und -serien wird vor dem Fernseher wie der Wackeldackel im Auto sitzen. Es ist schlicht wahr. Higashino Keigo, dessen Romane dafür berühmt sind, dass eben nicht jeder Leser von Anfang sofort erkennt, wer warum was wo gemacht macht, weiß als langjähriger Krimiauthor natürlich genau, wovon er da schrub. Wie jedes Genre bewegt sich auch der Krimi innerhalb bestimmter Konventionen. Diese sind gleichermaßen Fluch wie Segen: Die Gleichförmigkeit gibt dem Leser oder Zuschauer die Sicherheit des Vertrauen – er, sie, es weiß, was er zu erwarten hat. Andererseits wird es mit zunehmender Reife eines Genres immer schwerer, neue Geschichten zu erfinden, ohne die Regeln grob fahrlässig zu mißachten. Higashinos Ansatz ist ebenso erfrischend wie amüsant. Besonders das Finale, welches eine Begegnung verschiedenster Krimifiguren (verbrochen von Higashino selbst) mit dem Leser darstellt, ist (aus Ermangelung treffenderer Worte:) interessant.

Die Umsetzung kommt leider dem Thema nicht ganz hinterher. Besonders zu Beginn der Serie wirken die Figuren und Dialoge schlicht lächerlich. Einerseits braucht es einige Zeit, sich an die Erzählweise zu gewöhnen. Es scheint mir aber auch so, dass auch die Schauspieler sich erst einmal einfinden mussten. Bei Galileo, der ja mit Fukuyama Masaharu von einem alten Hasen der Zunft gespielt wird, passte dem Mimen der Charakter hingegen von Anfang an wie eine zweite Haut, obwohl es auch hier viel Potential für Lächerlichkeit gegeben hätte.

Fazit: Interessant. Wenn man sich einmal „eingesehen“ hat und die Verfahrensfehler großzügig übersieht, macht die Idee so einiges wett. Fans von HanaKimi-artigem Humor werden sich hier wohl auch ohne große Umgewöhnungszeit zu hause fühlen.