Nachgefragt: Japanisch für Reingefallene

Der Spreeathlet – was für’n Sport betreibt denn der Gute wohl? Surfen? 😉 – wollte es anlässlich meines Beitrages „leckeraussehende Radiergummi“ genauer wissen und daher eröffne ich hiermit die Kategorie „100 Wörter Japanisch„. Warum gerade „100 Wörter“? – Fragt bitte den Spreeathleten. 😛
Will heißen, heute geht es zwar nur um japanische Namenszusätze – wenn ihr aber noch andere Fragen zu Japanisch (oder meinethalben zu Japan) habt, dann immer raus mit der Fremdsprache. Ich werde dann versuchen, das so gut es geht zu beantworten – oder selbst jemanden fragen, der sich damit auskennt ;).

Während im Deutschen Namenszusätze wie Herr, Frau oder Fräulein zwar existieren, werden sie doch deutlich weniger häufig verwendet, als im Japanischen. Letzteres legt sowieso gesteigerten Wert auf Schleimerei und Standesdünkel: Schon mit dem ersten Halbsatz zeigt man, was man vom anderen hält. Dazu packt man den Namenszusatz bei der Anrede hinter den Namen. Wenn der Namenszusatz also San lautet und ihr damit den Spreeathleten ansprechen möchtet, dann sagt ihr: „Spreeathlet-san“. Hier eine kleine Liste:

Sempai: Wie schon erwähnt, eine Respektsbezeichnung gegenüber älteren Schülern/ Studenten/ Mitarbeitern u.ä. Damit zeigt man schlicht, dass man anerkennt, dass der andere schon mehr weiß bzw. Erfahrung hat, als man selbst. Eignet sich prima zum Schleimen: „Sempai, mach mir mal meine Hausaufgaben!“

Kôhai: Dasselbe, nur andersrum. Da man damit jemanden als weniger wissend darstellt und das ja ein wenig herablassend sein kann, wird es afaik weniger häufig verwendet. Macht sich natürlich gut in Befehlen: „Du bist der Kôhai, also gehst du den Müll rausbringen!“

Sensei: Anrede für Lehrer, ob nun in der Schule, Uni oder im Sportkurs. Allerdings verwendet man das Sensei auch als Respektsbezeichnung für Künstler und Co. in der Bedeutung von „Meister“. Also z.B.: Brecht-sensei oder Picasso-sensei.

Shachô: Chef, Firmenleiter; Buchô ist ein Abteilungsleiter; Kôchô ein Schuldirektor usw.

Sempai, Kôhai, Sensei und die Wortverbindungen mit -chô können auch ohne einen Namen als stinknormales Wort verwendet werden, z.B.: „Er ist mein Sempai/ Kôhai/ Shachô.“ Diese Bezeichnungen sind übrigens alle geschlechtsneutral. Ganz abgesehen davon, dass es in Japan kaum weibliche Shachô gibt…

-san Standartanrede wie Herr/Frau. Geschlechtsneutral.

-sama Die höflichere, respektvolle Fassung von -san. Geschlechtsneutral.

-kun Freundschaftlicher Namenszusatz mit der ursprünglichen Bedeutung „Herr(scher)“. Vorwiegend für (junge) Männer. Das selbe Sino-japanische Zeichen „kimi“ ausgesprochen bedeutet übrigens auch „du“.

-chan Hat verniedlichenden Charakter und wird deshalb v.a. für Mädchen und jungen Frauen verwendet. Damit möchte ich übrigens keine geschlechterpolitischen Diskussionen auslösen (andererseits: warum eigentlich nicht?). Is‘ einfach mal so.

Soweit erst mal die Geläufigsten. Natürlich gibt es noch viele weitere Anreden/Namenszusätze und selbstredend können die entsprechenden Anreden auch immer anders verwendet werden als vorgesehen (z.B. -chan für Männer, wie im Deutschen „Hallo Mädels!“) – Japaner sind da recht kreativ. Meine Lieblingstravestie japanischer Unhöflichkeit ist immer noch -chin. Eigentlich eine Bezeichnung für den Stab, auf den alle Frauen neidisch sein sollen (ich glaub, Freud hat den Unterschied zwischen „haben/benutzen wollen“ und „an sich selbst haben wollen“ schlicht nicht verstanden, der Arme), ist das ganze unter Jugendlichen relativ beliebt. Auch unter der BH-Trägerfraktion übrigens, am liebsten in der Kombination mit „ore“. ^-^;;;

Noch ein Wort zur Aussprache: Das „s“ ist immer scharf wie im Englischen, ein „ei“ wird als langes „e“ ausgesprochen und Vokale sind eher kurz. Im Allgemeinen sagt man, dass die Vokale wie im Italienischen und die Konsonanten wie im Englischen klingen sollen. Also lasst die Samen, Sensen und Eier stecken, wenn ihr halbwegs Japanisch klingen wollt. *hm* Und so viel nur zum Thema Freud.