Okunoshima: Japans geheime Giftgasproduktion während des Zweiten Weltkriegs

Okunoshima heute ©Flickr/merec0

Die Geschichte, die sich hinter der japanischen Insel Okunoshima verbirgt, klingt nach Politthriller, ist aber bittere Realität. Das Eiland war geheime Hauptproduktionsstätte von Giftgas im Zweiten Weltkrieg, so Top Secret, dass Okunoshima von den Landkarten getilgt wurde.

Heute erinnert nur noch wenig an die düstere Vergangenheit der Insel. Ein skurriler Kontrast zu den verlassenen Produktionsstätten sind die vielen hoppelnden Hasen, die Okunoshima mittlerweile bevölkern.

Japans Giftgasproduktion im Zweiten Weltkrieg

Von 1929 bis 1945 diente Okunoshima nur einem Zweck: Der Produktion von waffenfähigem Giftgas. Unter dem Vorwand die Fischerei auf der Insel industriell ausbauen zu wollen, wurden ab 1929 technische anlagen errichtet, deren eigentliches Ziel die Herstellung der Geheimwaffen war. Marder, Katzen und Füchse wurden systematisch ausgerottet, damit nichts den Plänen im Weg stehen konnte.

Ab 1938 wurde die Insel zum militärischen Sperrgebiet erklärt, ab diesem Zeitpunkt galt strengste Geheimhaltung. Auf Landkarten tauchte Okunoshima nicht mehr auf, Schifffahrtsrouten wurden geändert und auf Zugrouten, die entlang der Küste den Blick auf das Sperrgebiet freigaben, mussten die Fenster verhangen werden.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion von Senfgas, Phosgen und Blausäure stark vorangetrieben. Auch Kinder mussten auf der Insel mit den gefährlichen Chemikalien arbeiten.

Die Geschichte von Okunoshima

Auf der Okunoshima arbeiteten gut ausgebildete Fachkräfte, die zu Beginn des Projekts mit hohen Gehältern gelockt wurden, gemeinsam mit Zwangsarbeitern und Kindern unter gefährlichen Bedingungen. Bei unglaublicher Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit trugen die Arbeiter zwar Schutzanzüge, gegen die starken Chemikalien mit denen sie hantieren mussten, halfen die aber nicht.

Etwa 6.500 Tonnen waffenfähiges Giftgas wurden in dieser Zeit auf Okunoshima hergestellt. Die Wirksamkeit der Geheimwaffe wurde nicht nur an Hasen erprobt. Gemeinsam mit der berüchtigten „Einheit 731″, die chemische Waffen testete, wurde die Effizienz der Giftgase auch an Menschen getestet. Etwa 3.500 Menschen sollen der Einheit und dem Giftgas Okunoshimas zum Opfer gefallen sein, darunter koreanische und chinesische Zivilisten, sowie Kriegsgefangene aus England, den USA und der Sowjetunion. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete auch dieses dunkle Kapitel.

Heute deuten nur noch Baracken auf die Vergangenheit der Insel hin. Das betreten ist ungefährlich, lediglich ein paar unterirdische Bereiche könnten noch kontaminiert sein.

Mittlerweile gibt es einige Freizeitanlagen auf Okunoshima und noch eine weitere Attraktion: unzählige Hasen. Da sie hier keine natürlichen Feinde mehr haben, konnten sich die Hasen wie wild ausbreiten. Über ihre Herkunft gibt es zwei Vermutungen: Die eine geht davon aus, dass die Hasen hätten getötet werden sollen, nachdem die Giftgasproduktion eingestellt wurde, die Verantwortlichen das aber nicht übers Herz brachten und so zur Population auf der Insel beitrugen. Eine andere Behauptung erzählt von einer Schulkasse, die Hasen mit auf die Insel gebracht habe, die anschließend in die Freiheit entkamen.

Woher sie kommen ist also nicht ganz klar, die Existenz der niedlichen Tiere steht aber in einem harten Kontrast zur Vergangenheit von Okunoshima.