Quo Vadis Anime-Deutschland?

Anime in Wessiland: Außer Spesen nix gewesen?

Eine rege Weltuntergangsstimmung macht sich breit: Nachdem in den USA die Anime-Vertriebe rote Zahlen schreiben oder gar schließen, ist der neueste Trend nun auch endgültig in Deutschland angekommen. Heißt es nun sayonara-bye-bye für Anime in Deutschland, oder wird sich der Markt schlicht verändern?

Nachdem ich einige Panik-Käufe von Geneon Titeln hinter mir habe (einige sind noch auf dem Weg), sollte ich wohl wieder ein wenig Geld locker machen. Sowohl ADV Films als auch Tokyopop ziehen sich aus dem Anime Geschäft zurück. ADV Films schließt sein gesamtes Europabüro (Mexx Newsmeldung hier), wird allerdings einige seiner DVDs mittels eines regionalen Partners weiterhin vertreiben, um die schmucken internationalen Lizenzen nicht völlig vor sich hin schimmeln zu lassen. Tokyopop hingegen (Mexx Newsmeldung wiederum hier) hat was Anime betrifft gar keine Lust mehr auf Krautland und wird nur noch schnell die angefangenen Serien auf die wütende Meute werfen, um den Rückzug zu sichern. „Rozen Maiden – Träumend“ wird nun gar nimmer mehr erscheinen. Welch ein Verlust. Heißt dies, nach all den Jahren, müssen wir unserem Traum von Anime-Nation Deutschland für immer entsagen? Vielleicht wär dies ja die Gelegenheit, endlich dem Otaku Dasein den Rücken zu kehren, alle Anime in die Tonne zu kloppen und endlich ein Normalo zu werden? Vielleicht sollte ich BWL studieren? Oder Ethonologie? Dann könnte ich meine löchrigen Jeans von vor 15 Jahren endlich wieder tragen und auch noch Stolz drauf sein…

Die Hersteller beschweren sich über die Downloads aus dem Internet: Fans kaufen sich nicht mehr Anime DVDs, sondern laden ihre geliebten Zeichentrickfilmchen taufrisch aus dem Netz. Da kommt kein Produzent hinterher. Auch nicht gerade nett: Die richtigen Fans, sind auch böse und kaufen lieber US DVDs. Und hierzulande dann als Gegenmaßnahme hochwertige DVDs mit vielen Extras zu veröffentlichen ist auch nur bedingt eine Lösung: Oftmals gibt es nämlich gar keine. Wie soll man denn wohl ein Making-Off auf eine DVD knallen, wenn die Kirschblütenfans vom anderen Ende des eurasischen Kontinents erst gar keins produziert haben?

Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Wie in Japan auch, versuchen die Vertriebe mittlerweile die Netz-Piraten mit deren eigenen Waffen zu schlagen und so bieten sie selber fröhlich Downloads an. Die Jungs und Mädels von Anime Virtual starteten ihre Anime on Demand Seite (klickst du hier) noch vor dem großen kleinen Zusammenbruch und bieten einzelne Episoden für entweder 24 Stunden (Preis zwischen 99 Cent und 1,49 Euro), oder zum Kauf (für 2,49 Euro bzw. 3,99 Euro für neuere Titel) an. Wem das alles noch zu teuer ist, der kann böserweise auch erst mal ein paar Episoden umsonst runterladen, ganz legal, bei Amazon USA.

Neben der Qualität der runterzuladenen Episoden stimmt natürlich der Preis nachdenklich. Im Endeffekt kann man sich dafür auch die DVD Box in den Schrank stellen. Das ganze ist also vor allem etwas für diejenigen, die unter akutem Platzmangel leiden. Möchte ich das wirklich? Brauche ich das? Nö. Allerdings kaufe ich mir auch weiterhin DVDs. Aber was ist mit Serien, die nie auf DVD hierzulande erscheinen, wie Dramas und Co? Und was ist mit denen, die man gar nicht runterladen kann, weil keiner sie im TV mitgeschnitten hat und die DVDs auch in Japan keiner kauft? Ganz abgesehen davon reichen DVDs ja in letzter Zeit gar nicht mehr für die (HDTV!) Qualität des in Japan ausgestrahlten TV Programms aus. Also doch Downloads?

Vielleicht ist das ganze Gefasel und Gejammere aber auch alles nur Papperlapapp? Immerhin befinden wir uns grad im Übergang vom Medium DVD zur Blue Ray, oder vielleicht doch zur HD DVD. Ist doch eigentlich logisch, dass keiner mehr DVDs kauft, oder? Was meint ihr dazu?