Raku-Keramik: Japanische Töpfertechnik

Die Raku-Keramik hat die heutige, japanische Teekultur auf erhebliche Art und Weise geprägt. Aufgrund der Schlichtheit und würdigen Einfachheit sind die Raku-Keramiken seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts auch in Europa immer bekannter.

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Ursprünglich wurde die Raku-Keramik speziell für die Teezeremonie entwickelt. Dieses Material unterstreicht das Ideal japanischer Teekultur, welche wiederum eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden war. Dabei existiert diese Tradition der Herstellung von Gefäßen für die Teezeremonie schon seit über 400 Jahren und ist ein fester Bestandteil japanischer Geschichte und Kultur.

Raku-Keramik trifft den japanischen Zeitgeist

Die Geschichte von Raku geht zurück auf Chojiro, der im 16. Jahrhundert mit Sen-no-Rikyu, einem berühmten Tee-Zeremonien-Meister, diese Keramiktradition etablierte. Letzterer beauftragte Chojiro, welcher sich als Töpfer und Dachziegelmacher einen Namen gemacht hatte, mit der Herstellung von Teegeschirr. Das Ergebnis traf den Zeitgeist und das damals geltende Schönheitsideal in der japanischen Gesellschaft. So konnte Raku ein fester Bestandteil der japanischen Kultur werden, die davor stark von chinesischer Ästhetik und Tradition geprägt war.

Chojiros Sohn Jokei stellte später Dachziegel für den Palast des Generals und wichtigen Politikers Toyotomi Hideyoshi her. Der General verlieh ihm daraufhin für seine Arbeit und das Lebenswerk seines Vaters ein Siegel mit dem Schriftzeichen „Raku“, was dem deutschen Wort „Freude“ gleichkommt. Chojiros Sohn übernahm dieses Schriftzeichen als Familiennamen, den die Töpferdynastie seit je her führt.

Raku-Keramik: Herstellung von Unikaten

Durch verschiedene Glasuren können zahlreiche, unterschiedliche Farbeffekte erzielt werden. Die Keramik wird bei Temperaturen zwischen 900 °C und 1000 °C gebrannt und glühend aus dem Ofen geholt. Bei der üblichen Keramikherstellung werden die Objekte im Ofen gelassen und kühlen dort langsam ab. Die Raku-Keramiken werden aus dem Ofen in ein luftdichtes Behältnis mit Sägespänen, Laub, Stroh oder anderem organischen Material gegeben. Wo das Material vorher nicht mit einer Glasur versehen war, entsteht durch eine chemische Reduktion eine typische Schwärzung. Außerdem kommt es durch den erheblichen Temperaturunterschied zu Rissen in der Struktur des Materials, auf die nur bedingt Einfluss genommen werden kann. So entstehen formschöne Unikate, welche die elegante Schlichtheit der japanischen Teekultur symbolisieren.

Raku in der zeitgenössischen Kunst

Durch Künstler wie Bernard Leach, der mit seinen Raku-Arbeiten das zeitgenössische Design stark beeinflusste, wurde die Raku-Keramik auch in Europa bekannt. Heute gibt es zahlreiche Künstler und Designer in Europa und Deutschland, die die Technik anwenden, um kunstvolle Schalen, aber auch Skulpturen herzustellen. In Berlin-Friedrichshain hat sich beispielsweise eine kleine Werkstatt etabliert, die die Möglichkeit bietet, beim Brennverfahren von Raku-Schalen zuzuschauen und sich über die Herstellung zu informieren.