Shodo – Japanische Kalligraphie

Die japanische Kalligraphie (Shodo) ist ähnlich wie Ikebana oder die Teezeremonie die Vervollkommnung einer alltäglichen, wenn auch sehr ästhetischen Tätigkeit. Schrift ist hier nicht nur schön anzusehen. Beim Shodo braucht man sehr viel Technik, gute Atmung und das richtige Werkzeug.

japanische Kalligraphie. Flickr © MShades

Kanji sehen zwar meist sehr schön aus, besonders wenn man sie schön schreiben kann, aber meist sind sie auch etwas kompliziert. Folgt man dann auch noch der Shodo-Tradition wird der Umgang mit der Schrift zur Perfektion geführt. Sorgfältige Vorbereitung und gutes Werkzeug gehören ebenso dazu wie Konzentration und Durchhaltevermögen. Am Anfang braucht man zudem sehr sehr viel Geduld.

Eine Freundin von mir musste neulich für ihren Typo-Kurs jede Menge Es malen. Ja einfach den Buchstaben “E” auf eine etwa drei Meter lange Bahn. Das klingt jetzt etwas nach Folter aber eigentlich hat es mich sehr schnell an mein erstes Zusammentreffen mit Shodo erinnert. Denn stetige Wiederholung und Konzentration beim Schreiben eines einzigen Bogens, gehören zu den ersten Lektionen, die mir bei der japanischen Kalligraphie eingestampft wurden.

Vorbereitung für japanische Kalligraphie

Die Vorbereitung für japanische Kalligraphie erfolgt in einem Shodo-Kurs meist durch den Lehrer. Er oder sie besorgt das richtige Arbeitsmaterial, dazu gehört meist richtige Tusche (Sumi oder Flüssigtusche), die man später selbst anrührt bzw. abreibt und gutes Papier in verschiedenen Stärken. Manchmal z.B. bei Workshops kann man das Material auch ausleihen.

Das A und O beim Shodo ist aber der richtige Pinsel. Anders als die Pinsel, die man in Deutschland so als Pinsel kauft, sind die japansichen bzw. chinesischen nämlich anders geschnitten. Aus diesem Grund muss man sie später auch anders halten um sie voll ausschöpfen zu können.

Shodo-Kata: Pinsel halten und durchatmen

Als nächster Schritt stand bei uns eine Shodo-Kata auf dem Plan, wie mein Shodo-Lehrer es immer so nett nannte. Dazu gehört das richtige halten des Pinsel, bei jedem Unterrichtsbeginn mindestens x Zeichen zum Einmalen und eine kleine Atemübung, damit man sich besser auf den Strich konzentriert. Wichtig hierbei war natürlich auch, dass man zur richtigen Zeit ein- und ausatmet um den Strich nicht zu verwackeln.

Einfach lospinseln darf man meist nicht, man muss schon mit ein bisschen Ernsthaftigkeit zum Kurs gehen. Das Schöne bei Shodo ist allerdings, dass man durch die vielen Wiederholungen und Übungen sehr schnell sieht, dass man besser wird und noch dazu ist es sehr meditativ ähnlich wie viele andere traditionelle Kunstformen (z.B. Ikebana) auch.

Schummeln beim Shodo

Beim Shodo-Unterricht schummeln macht keinen Sinn, erlaubt sind aber kleine Hilfsmittel und ein paar kleine Tricks. Eine kleine Hilfe für alle, die die Reihenfolge der einzelnen Striche nicht kennen, ist Langenscheidts Kanji and Kana. Dort sieht man nicht nur die Strichzahl und -reihenfolge sondern auch mit etwas Übung wie der Pinsel geführt wird. Eine japanische Freundin, die das Buch zum ersten Mal sah und sich mit Shodo etwas beschäftigt hat, meinte, sie wäre froh gewesen, wenn sie das Buch zum Abschauen gehabt hätte.Similar Posts: