Tagata-Honen-Sai Festival – Ein Fest für den Phallus

Jeder hat schon mal von dem „bizarren Penisfest“ in Japan gehört, meistens durch Dokusendungen mit hochwissenschaftlichem Anspruch wie Galileo. Das Tagata-Honen-Sai Festival ist eine besondere Form des japanische Fruchtbarkeitfestes, und Teil einer mehr als 1500 Jahre alten Tradition.

Prüde Langnasen kichern sich verlegen ins Fäustchen, wenn sie die Festivitäten des Honen-Sai beobachten, oder sie wenden empört den Blick ab. Warum? Ein riesiger Holzpenis wird auf einer Sänfte durch die Gegend getragen, dazu singt seine Begleitprozession aus vollem Hals anzügliche Lieder. Klingt wie eine völlig bescheuerte Kunstperformance, gehört aber schon ewig zu den beliebtesten Events in Nihon.

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Tagata-Honen-Sai Festival – Was zum Teufel machen die da?

Schon um 10 Uhr morgens geht es los: Überall werden Souvenirs und Essen in Penisform verkauft, All-You-Can-Drink Sake fliesst in Strömen, und ein 240 Kilo schwerer Penis bahnt sich seinen Weg durch das beschauliche Örtchen Komaki.

Klingt nach einer ziemlichen Sause, und genau das ist es auch. Das Tagata-Honen-Sai Festival ist eine spezielle Form des japanischen Fruchtbarkeitsfestes, das traditionell am 15. März stattfindet. Es geht um das Zelebrieren für eine erfolgreiche Ernte, und eben für gesunde Fortpflanzung.

Männer im Alter von 42 tragen die Sänfte mit dem Riesenphallus, und 36-jährige Frauen laufen hinter ihnen her. Sie halten ebenfalls Holzpenisse im Arm, in Anspielung an ein Baby. 42 und 36 gelten in Japan als Unglückszahlen, daher kommt den Bürgern in diesem Alter diese ehrenvolle Aufgabe zu.

Die Hintergründe für das Tagata-Honen-Sai Festival

Als Japanophiler weiss man natürlich, das viele Menschen in Nihon ein unverklemmteres Verhältnis zu ihrem Körper und zu Geschlechtsorganen haben. Der Körper wird nach alter Zen-Tradition als Hülle angesehen, für die sich niemand schämen muss, egal in welchem Alter.

Seit der Edo-Periode gibt es in Japan eine Tradition für erotische Holzschnitte, die so genannten Shunga. Zwar gab es seit dem Ende der Meiji-Zeit bis ins Jahr 1986 ein Verbot für die anzüglichen Bilder, aber sie sind fester Bestandteil der japanischen Kultur und haben die Beziehung für erotische Darstellungen entscheidend geprägt.

Die Geschlechtsteile sind oftmals überzogen dargestellt, ähnlich wie bei Abbildungen der sagenumwobenen Tanuki-Hunde. Sex und Humor geht in Nihon seit jeher Hand in Hand, und wir können uns durchaus eine Scheibe davon abschneiden.