Walfang in Japan – Früher und Heute

Der Walfang in Japan und anderen Teilen der Welt ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor mehreren Tausend Jahren machten Menschen Jagd auf die größten aller Meeressäugetiere, doch noch nie waren ihre Methoden so effektiv wie heute.

Zudem halten die meisten Menschen den Walfang in Japan, Norwegen, Island und anderen Nationen für unnötig brutal. Viele haben Bilder von riesigen Schiffen vor Augen, die erbarmungslos gegen die Meeressäuger vorgehen und die Gewässer mit dem Blut der Tiere tränken. Problematisch ist vor allem die schiere Zahl der in den vergangenen Jahren getöteten Wale – Nicht umsonst wurden durch ein internationales Übereinkommen bestimmte Fangquoten festgesetzt. Doch halten sich auch alle daran? Und wie sieht der Walfang heute aus?

Walfang in Japan: Eine lange Tradition

Um die Entwicklungen in der Moderne im rechten Licht zu sehen, ist es sinnvoll, einmal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen: Wann der Walfang in Japan zur Tradition wurde, ist nicht bekannt, doch zumindest schon für das 12. Jahrhundert nach Christus lassen sich erste regelmäßige Walfang-Touren von japanischen Fischern nachweisen. Damals jagte man noch mit dem Speer und vorwiegend in Ufernähe, wobei vor allem gestrandete oder kranke Tiere eine deutliche einfachere Beute darstellten.

Im größeren Stil wurde der Walfang in Japan wahrscheinlich erst seit dem späten 16. Jahrhundert betrieben, nun kamen große Fangnetze und Harpunen zum Einsatz. So fand das Walfleisch immer häufiger den Weg in die japanische Küche, in der Fisch und Meeresfrüchte noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit eine sehr viel größere Rolle spielten als Rind- oder Schweinefleisch. Doch auch das Öl, der Tran und sogar die Inneren wurden und werden noch heute verwertet. Die Nachfrage stieg, also mussten sich japanische Walfänger mit der Zeit nach noch ertragreicheren Fangmethoden umsehen.

Moderner Walfang in Japan und anderen Ländern

Diese fanden sie im frühen 20. Jahrhundert dank russischer Walfang-Schiffe und norwegischer Technologie, außerdem wurde der Walfang spätestens im 2. Weltkrieg vom japanischen Staat subventioniert. 1948 gründete sich die Internationale Walfangkommission, der Japan 1951 als Mitglied beitrat. Was als Bündnis zur optimalen Ausnutzung der Kapazitäten begonnen hatte, verlegte jedoch bald seinen Schwerpunkt auf den Schutz der Meeressäuger, was schließlich zu Spannungen zwischen der Organisation und Ländern wie Japan oder Norwegen führte.

Der kommerzielle Wahlfang ist seit 1982 offiziell verboten, Ausnahmeregelungen ermöglichen jedoch noch immer die Jagd auf die Großtiere. In Japan wird der Walfang heute offiziell nur noch zu wissenschaftlichen Zwecken betrieben, nichtsdestotrotz landet das Fleisch der Tiere auch in den offenen Handel. Dabei ist die Nachfrage in Japan stark zurückgegangen, der Pro-Kopf-Verzehr von Walfleisch ist in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken. Der Walfang sei jedoch vor allem ein nationales Kulturgut, dass es zu erhalten gelte, außerdem würden japanische Fischer nur Jagd auf nicht gefährdete Arten machen – Dem Artenschutz würde damit entsprochen, heißt es von offizieller japanischer Seite.

Trotzdem bleibt die Kritik von Seiten diverser Umweltschutzorganisationen bestehen, die um den Artenbestand besorgt sind und außerdem befürchten, dass das Streben Japans irgendwann die Walfang-Bestimmungen wieder lockern könnte. So kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, die nicht selten gewaltsam enden, und auch über die Jagd selbst werden sich Fischer und Tierschützer wohl nie einig werden. Denn natürlich ist der Walfang eine blutige und verabscheuenswerte Angelegenheit! So bleibt es weiterhin wünschenswert, dass dem Walfang in Japan möglichst bald keine so hohe Bedeutung mehr beigemessen wird und diese Tradition zum Wohle der Tiere ihr schnelles Ende findet.