Das japanische Schriftsystem ist einer der größten Hürden für das Erlernen der japanischen Sprache. Gerade Anfänger stolpern über die Silbenschriften und sehen in den Kanji nur Hieroglyphen (und haben damit nicht mal ganz unrecht). Da ich mittlerweile eine ziemlich große Bilbiothek an Hilfsmitteln und Nachschlagewerken mein Eigen nenne, möchte ich mal zum Wohle aller daran machen, diese nacheinader vorzustellen.
» 100 Wörter Japanisch
Es gibt viele, die sich problemlos Zitate merken können. Ich gehöre nicht dazu. Wenn ich mir etwas merken soll, dann muss es schon ziemlich verrückt sein. Dieser spezielle Brocken Engrish (bzw. Janglish) ist ein Zitat, dass es geschafft hat, sich auf immer und ewig in mein Gedächtnis einzufressen.
Vor ein paar Tagen haben wir gelernt, wie man ohne ein Wort zu sagen Japanisch sprechen kann (s. How to Speak Fluent Japanese Withou Saying a Word - Japanisch ganz einfach). Tanaka-san hat natürlich nicht nur einen Tipp verteilt sondern eine ganze Videoserie daraus gemacht. Das folgende ist nicht nur praktisch und wahr, sondern hat auch dafür gesorgt, dass ich beim Mangalesen neulich fast vom Stuhl gekippt bin.
Irgendwie gibt es manches im Deutschen einfach nicht. Eine sinnvolle Interjektion im Sinne von “Ach, echt jetzt?” gehört dazu. Auf Japanisch sagt sich das ganz einfach mit: “Heee.” Hier einmal der Beweis, dass dies nicht nur eine Blüte japanologischer Einbildung ist - oder mit den Worten von Kôichi aus Catstreet:
Japanisch ist - für Europäer - so ziemlich die schwerstzuerlernende Sprache auf diesem Erdball. Zwei Silbenalphabete, Kanji, eine völlig andere Grammatik und dann auch noch ein ziemlicher Batzen an Vokabeln machen das Inselsprech zu einer Geduldsprobe. Aber eigentlich, ja eigentlich braucht man das alles gar nicht. Zeigt uns Ken Tanaka.
Manchmal habe ich mich im Stillen gefragt, wie so manch ein großer, blonder Germane es denn geschafft hat, sich so eine kleine süße Japanerin anzulachen - vor allem ohne auch nur ein Wort Japanisch zu können. Den Trick schlechthin verrät uns nun der wehrte Herr Ken Tanaka - der arme Mann ist in Shimane aufgewachsen, doch spätestens im Kindergarten merkte er, dass da was nicht ganz stimmen kann. Er ist adoptiert und nun sucht er seinen leiblichen Vater Jonathan Smith in den USA. Viel Glück Tanaka-sensei!* [...mehr]
Es macht immer wieder Freude, wenn Japaner versuchen Englisch zu sprechen und schreiben. Hier ein hübscher neuer Fund:
Das ganze ist ein Bucheinband gewesen - der Art, wie sie einem freundlicherweise in der Buchhandlung drumgetan werden, damit der Originaleinband nicht kaputtch geht (da es in Deutschland bei Taschenbüchern weder Originalumschläge, noch umonstige Schutzumschläge gibt, kann sowas hierzulande gar nicht erst vorkommen). Praktischerweise wird auf die Gefahren des Rauchens hingewiesen. Typisch japanisch nicht etwa auf gesundheitliche Schäden - davon wissen Japaner dementsprechend übrigens auch nichts. Rauchen, das ist Meiwaku (ein Störfaktor für die Umwelt). Dementsprechend rauchen “coole” individualistische Leute (und Anime Chara) auch. Super. Ähnlich wie bei Gleichberechtigung. Geistiger Stand = Steinzeit. Egal, habt Freude:
Eigentlich gibt es dazu nicht mehr viel zu sagen: Während einige Japaner innerhalb von drei Monaten Deutsch fast bis zur Perfektion lernen, scheint der Großteil der japanischen Bevölkerung völlig unfähig, europäische Sprachen auch nur ansatzsweise zu beherrschen. Dementsprechend sehen neben einigen Glücksgriffen, wie der Furoshiki Anleitung, steht eine wilde Anzahl schlimmer Sprachverbrechen gegenüber (wie z.B. hier). Auf Engrish.com werden besonders lustige Beispiele gesammelt. Wenn mir wieder mal was Nettes unter die Nase kommt, werde ich euch damit quälen. Versprochen. :3 [...mehr]
In der letzten Japan Aktuell Ausgabe wollte der Nudelsuppentunker aufgeklärt werden, also kommt nun eine kleine Erklärung zu japanischen Schriftzeichen.
In Japan werden vier Schriftzeichensysteme verwendet. Eines davon sind die geheimnisvollen Romaji, die von den Nachkommen des Aeneas auf Grundlage des etruskischen Alphabets (so neuere Mutmaßungen) entwickelt und schlussendlich selbst von den Orcs übernommen wurden. Auf dem unteren Schaubild 2 handelt es sich dabei um die vierte Reihe. Desweiteren gibt es die berühmt-berüchtigten Kanji, oft auch als sino-japanische bzw. chinesische Schriftzeichen beschimpft. Derer gibt es ungefähr 60.000 - allerdings weiß man nicht genau, ob sich dabei nicht jemand verzählt hat - in unzähligen Varianten, die bisweilen auch landes- oder epochenabhängig sind. Die Japaner haben vor allem während der Tang-Zeit aus China geklaut (und zwar meist aus zweiter Hand über Korea), weshalb sich die Zeichen teilweise ein wenig vom modernen Chinesischen unterscheiden. Das ganze sieht übrigens nicht nur aus wie Hieroglyphen - es sind im Prinzip auch welche. An dieser Stelle lasse ich mal meinen Stift für mich sprechen (wem meine Handschrift nicht passt, der mache es sich bitte selba), weil manchmal lernt man wirklich durch einmal Hingucken mehr als durch tausend Worte:
Schaubild 1:
Weil sich die japanische Sprache aber geringfügig von der chinesischen unterscheidet, kann man Japanisch eigentlich nicht sinnvoll nur mit Kanji schreiben. Natürlich haben es die Japaner trotzdem jahrhundertelang versucht, aber das ist ein anderes J-Drama. Um die Partikel u.ä. des Japanischen darzustellen, verwendete man zunächst Manyôgana - Kanji, die sinnentleert einfach nur ihrer Aussprache wegen missbraucht wurden. Aus diesen entwickelten dann die ehrenwerten Herren der Heian-Periode eine Kurzschrift, kurz Katakana (die dritte Reihe auf dem Schaubild 2). Der Kimonoträgerfraktion waren diese zu unsexy, weshalb sich die wehrten Damen kurzerhand ihr eigenes Hiragana-Süppchen zusammenbrauten (Reihe zwei auf dem Schaubild 2). Zusammengefasst nennt man diese Kana. Man dazu über, Nomen und Verben mit Kanji zu schreiben und die restlichen Silben mit Katakana. Im 20. Jahrhundert aber griff die Emanzipierung um sich und nun verwendet man für letzteres Hiragana, während die Männerschrift ein einsames Dasein für Fremdwörter und stark Betontes fristet. Jetzt erst mal mein Handgeschreibseltes:
Schaubild 2:
1. Kanji mit Hiragana. So sieht der Satz normalerweise aus (vielleicht ein bissle hübscher geschrieben, aber nun gut).
2. Hiragana only.
3. Katakana.
4. Romaji.
5. Kanji mit Hiragana und Katakana - das Baka wurde mit Katakana geschrieben, um es zu betonen und außerdem nicht die schwierigeren Kanji schreiben zu müssen.
Es handelt sich bis hierhin immer um ein und denselben Satz: “Mein Sempai ist doof.” Wie ihr seht, kann man Japanisch auch komplett mit Silbenschrift schreiben. Allerdings kommt das nicht besonders intelligent. Variante 2 sieht nach Kindergärtner aus, während Nr. 3 höchstens verwendet wird, um die Sprache von einem Ausländer darzustellen (wird in Romanen und Manga häufiger gemacht, um einerseits klarzustellen, dass es sich um Gaijin-Sprech handelt und dabei trotzdem verständlich zu bleiben).
6. Noch ein Beispiel, bei dem ich jetzt ein ausländisches Wort eingefügt habe:
“MEERU (hier fehlt ein Partikel oder wenigstens ein Komma, gomen ^-^;) kaitekurenai kara, watashi no sempai wa baka da yo.”
“Mein Sempai ist doof, weil er mir keine Mail(s) schreibt.”
Wenn ihr mal “Mail” mit der Katakana Version vergleicht, wisst ihr übrigens auch gleich, warum Japaner kein Englisch können.
Damit ist denn auch die Zeichenstunde vorbei. Wenn euch das Thema weiter interessiert, könnt ihr euch vertrauenswohl an Doc Wiki wenden (da sich dort mit Vorliebe Linguisten zu tummeln scheinen, sind die entsprechenden Artikel relativ ausführlich und empfehlenswert) bzw. im nächsten Buchladen ein Kanji und Kana von Hadamitzky abgreifen. Hintergrundinfos und mehr von diesen lustigen Zeichenkombinationsbeispielen wie im Schaulbild 1 gibt’s in Langenscheidts Expresskurs .
Update: Da sich ein (beinahe) Leser beschwert hat, dass mein Beispielsatz ein wenig unhöflich sei, hier noch die politisch korrekte “Mein Sempai ist nicht doof.” Variante.
Der Spreeathlet - was für’n Sport betreibt denn der Gute wohl? Surfen?
- wollte es anlässlich meines Beitrages “leckeraussehende Radiergummi” genauer wissen und daher eröffne ich hiermit die Kategorie “100 Wörter Japanisch“. Warum gerade “100 Wörter”? - Fragt bitte den Spreeathleten.
Will heißen, heute geht es zwar nur um japanische Namenszusätze - wenn ihr aber noch andere Fragen zu Japanisch (oder meinethalben zu Japan) habt, dann immer raus mit der Fremdsprache. Ich werde dann versuchen, das so gut es geht zu beantworten - oder selbst jemanden fragen, der sich damit auskennt ;).
Während im Deutschen Namenszusätze wie Herr, Frau oder Fräulein zwar existieren, werden sie doch deutlich weniger häufig verwendet, als im Japanischen. Letzteres legt sowieso gesteigerten Wert auf Schleimerei und Standesdünkel: Schon mit dem ersten Halbsatz zeigt man, was man vom anderen hält. Dazu packt man den Namenszusatz bei der Anrede hinter den Namen. Wenn der Namenszusatz also San lautet und ihr damit den Spreeathleten ansprechen möchtet, dann sagt ihr: “Spreeathlet-san”. Hier eine kleine Liste:
Sempai: Wie schon erwähnt, eine Respektsbezeichnung gegenüber älteren Schülern/ Studenten/ Mitarbeitern u.ä. Damit zeigt man schlicht, dass man anerkennt, dass der andere schon mehr weiß bzw. Erfahrung hat, als man selbst. Eignet sich prima zum Schleimen: “Sempai, mach mir mal meine Hausaufgaben!”
Kôhai: Dasselbe, nur andersrum. Da man damit jemanden als weniger wissend darstellt und das ja ein wenig herablassend sein kann, wird es afaik weniger häufig verwendet. Macht sich natürlich gut in Befehlen: “Du bist der Kôhai, also gehst du den Müll rausbringen!”
Sensei: Anrede für Lehrer, ob nun in der Schule, Uni oder im Sportkurs. Allerdings verwendet man das Sensei auch als Respektsbezeichnung für Künstler und Co. in der Bedeutung von “Meister”. Also z.B.: Brecht-sensei oder Picasso-sensei.
Shachô: Chef, Firmenleiter; Buchô ist ein Abteilungsleiter; Kôchô ein Schuldirektor usw.
Sempai, Kôhai, Sensei und die Wortverbindungen mit -chô können auch ohne einen Namen als stinknormales Wort verwendet werden, z.B.: “Er ist mein Sempai/ Kôhai/ Shachô.” Diese Bezeichnungen sind übrigens alle geschlechtsneutral. Ganz abgesehen davon, dass es in Japan kaum weibliche Shachô gibt…
-san Standartanrede wie Herr/Frau. Geschlechtsneutral.
-sama Die höflichere, respektvolle Fassung von -san. Geschlechtsneutral.
-kun Freundschaftlicher Namenszusatz mit der ursprünglichen Bedeutung “Herr(scher)”. Vorwiegend für (junge) Männer. Das selbe Sino-japanische Zeichen “kimi” ausgesprochen bedeutet übrigens auch “du”.
-chan Hat verniedlichenden Charakter und wird deshalb v.a. für Mädchen und jungen Frauen verwendet. Damit möchte ich übrigens keine geschlechterpolitischen Diskussionen auslösen (andererseits: warum eigentlich nicht?). Is’ einfach mal so.
Soweit erst mal die Geläufigsten. Natürlich gibt es noch viele weitere Anreden/Namenszusätze und selbstredend können die entsprechenden Anreden auch immer anders verwendet werden als vorgesehen (z.B. -chan für Männer, wie im Deutschen “Hallo Mädels!”) - Japaner sind da recht kreativ. Meine Lieblingstravestie japanischer Unhöflichkeit ist immer noch -chin. Eigentlich eine Bezeichnung für den Stab, auf den alle Frauen neidisch sein sollen (ich glaub, Freud hat den Unterschied zwischen “haben/benutzen wollen” und “an sich selbst haben wollen” schlicht nicht verstanden, der Arme), ist das ganze unter Jugendlichen relativ beliebt. Auch unter der BH-Trägerfraktion übrigens, am liebsten in der Kombination mit “ore”. ^-^;;;
Noch ein Wort zur Aussprache: Das “s” ist immer scharf wie im Englischen, ein “ei” wird als langes “e” ausgesprochen und Vokale sind eher kurz. Im Allgemeinen sagt man, dass die Vokale wie im Italienischen und die Konsonanten wie im Englischen klingen sollen. Also lasst die Samen, Sensen und Eier stecken, wenn ihr halbwegs Japanisch klingen wollt. *hm* Und so viel nur zum Thema Freud. [...mehr]










