Kanji und Kana – Japanische Schriftzeichen

In der letzten Japan Aktuell Ausgabe wollte der Nudelsuppentunker aufgeklärt werden, also kommt nun eine kleine Erklärung zu japanischen Schriftzeichen.

In Japan werden vier Schriftzeichensysteme verwendet. Eines davon sind die geheimnisvollen Romaji, die von den Nachkommen des Aeneas auf Grundlage des etruskischen Alphabets (so neuere Mutmaßungen) entwickelt und schlussendlich selbst von den Orcs übernommen wurden. Auf dem unteren Schaubild 2 handelt es sich dabei um die vierte Reihe. Desweiteren gibt es die berühmt-berüchtigten Kanji, oft auch als sino-japanische bzw. chinesische Schriftzeichen beschimpft. Derer gibt es ungefähr 60.000 – allerdings weiß man nicht genau, ob sich dabei nicht jemand verzählt hat – in unzähligen Varianten, die bisweilen auch landes- oder epochenabhängig sind. Die Japaner haben vor allem während der Tang-Zeit aus China geklaut (und zwar meist aus zweiter Hand über Korea), weshalb sich die Zeichen teilweise ein wenig vom modernen Chinesischen unterscheiden. Das ganze sieht übrigens nicht nur aus wie Hieroglyphen – es sind im Prinzip auch welche. An dieser Stelle lasse ich mal meinen Stift für mich sprechen (wem meine Handschrift nicht passt, der mache es sich bitte selba), weil manchmal lernt man wirklich durch einmal Hingucken mehr als durch tausend Worte:

Schaubild 1:

Weil sich die japanische Sprache aber geringfügig von der chinesischen unterscheidet, kann man Japanisch eigentlich nicht sinnvoll nur mit Kanji schreiben. Natürlich haben es die Japaner trotzdem jahrhundertelang versucht, aber das ist ein anderes J-Drama. Um die Partikel u.ä. des Japanischen darzustellen, verwendete man zunächst Manyôgana – Kanji, die sinnentleert einfach nur ihrer Aussprache wegen missbraucht wurden. Aus diesen entwickelten dann die ehrenwerten Herren der Heian-Periode eine Kurzschrift, kurz Katakana (die dritte Reihe auf dem Schaubild 2). Der Kimonoträgerfraktion waren diese zu unsexy, weshalb sich die wehrten Damen kurzerhand ihr eigenes Hiragana-Süppchen zusammenbrauten (Reihe zwei auf dem Schaubild 2). Zusammengefasst nennt man diese Kana. Man dazu über, Nomen und Verben mit Kanji zu schreiben und die restlichen Silben mit Katakana. Im 20. Jahrhundert aber griff die Emanzipierung um sich und nun verwendet man für letzteres Hiragana, während die Männerschrift ein einsames Dasein für Fremdwörter und stark Betontes fristet. Jetzt erst mal mein Handgeschreibseltes:

Schaubild 2:

1. Kanji mit Hiragana. So sieht der Satz normalerweise aus (vielleicht ein bissle hübscher geschrieben, aber nun gut).

2. Hiragana only.

3. Katakana.

4. Romaji.

5. Kanji mit Hiragana und Katakana – das Baka wurde mit Katakana geschrieben, um es zu betonen und außerdem nicht die schwierigeren Kanji schreiben zu müssen. 😉

Es handelt sich bis hierhin immer um ein und denselben Satz: „Mein Sempai ist doof.“ Wie ihr seht, kann man Japanisch auch komplett mit Silbenschrift schreiben. Allerdings kommt das nicht besonders intelligent. Variante 2 sieht nach Kindergärtner aus, während Nr. 3 höchstens verwendet wird, um die Sprache von einem Ausländer darzustellen (wird in Romanen und Manga häufiger gemacht, um einerseits klarzustellen, dass es sich um Gaijin-Sprech handelt und dabei trotzdem verständlich zu bleiben).

6. Noch ein Beispiel, bei dem ich jetzt ein ausländisches Wort eingefügt habe:

„MEERU (hier fehlt ein Partikel oder wenigstens ein Komma, gomen ^-^;) kaitekurenai kara, watashi no sempai wa baka da yo.“

„Mein Sempai ist doof, weil er mir keine Mail(s) schreibt.“

Wenn ihr mal „Mail“ mit der Katakana Version vergleicht, wisst ihr übrigens auch gleich, warum Japaner kein Englisch können.

Damit ist denn auch die Zeichenstunde vorbei. Wenn euch das Thema weiter interessiert, könnt ihr euch vertrauenswohl an Doc Wiki wenden (da sich dort mit Vorliebe Linguisten zu tummeln scheinen, sind die entsprechenden Artikel relativ ausführlich und empfehlenswert) bzw. im nächsten Buchladen ein Kanji und Kana von Hadamitzky abgreifen. Hintergrundinfos und mehr von diesen lustigen Zeichenkombinationsbeispielen wie im Schaulbild 1 gibt’s in Langenscheidts Expresskurs .

Update: Da sich ein (beinahe) Leser beschwert hat, dass mein Beispielsatz ein wenig unhöflich sei, hier noch die politisch korrekte „Mein Sempai ist nicht doof.“ Variante.