Nana der Realfilm – Filmclub Review

Nana war als Manga so erfolgreich, dass eine Realverfilmung nur eine Frage der Zeit war. Ende 2005 lockte die Geschichte um die beiden ungleichen Freundinnen zahlreiche Japaner in die heimischen Kinos und verhalf der Sängerin des Titelliedes zu ihrem ersten Nummer 1 Hit.

Vor einer Weile haben wir uns im Filmclub meiner Japanologie eine Auszeit von Kunstfilmen in Schwarz-Weiß genommen und uns der leichten Unterhaltung hingegeben. Nana ist natürlich die filmische Umsetzung des äußerst erfolgreichen – laut TBS verkaufte sich der mittlerweile 21 Bände zählende Shôjo-Schinken über 22 Mio Mal allein in Japan – Manga von Yazawa Ai. Ehapa importiert Nana immer noch fleißig nach Krautland, der Film ist leider (?) noch nicht hierzulande erhältlich. Auch der 47-teilige Anime schaffte nicht den Sprung über den eurasischen Kontinent oder die großen Teiche.

Nana erzählt von der Freundschaft zweier Mädchen. Auf den Weg nach Tokio treffen sie sich zufällig im Zug. Beide heißen Nana, haben am gleichen Tag Geburtstag. Ihre Gemeinsamkeiten enden dort, denn Nana und Nana könnten unterschiedlicher nicht sein: Die eine ist eine toughe Rockröhre, die andere eine japanische Zuckerpuppe. Als sie sich bei der Wohnungssuche abermals über den Weg laufen und auch noch beide das gleiche Appartment wollen, beschließen sie spontan, zusammen zu ziehen. Damit beginnt eine (vermutlich :P) lebenslange Freunschaft.

Wie es Frauendramen so an sich haben, erzählt das Werk natürlich weniger über die Karriere der beiden jungen Frauen, denn über deren Männerprobleme. Nana Komatsu, auch Hachi (wie Hachiko) genannt, ist ihrem Freund nach Tokio gefolgt und sucht eigentlich nur einen guten Mann zum Heiraten. Nana Osaki ist ihrem Ex-Freund zwar nicht nach Tokio gefolgt, aber das Schicksal (und Nana K.) haben natürlich andere Pläne.

Vorkenntnisse, wie die Lektüre des Mangas, sind bei diesem Film nicht notwendig. Erzählt wird die Geschichte von der Begegnung der beiden Nanas bis zum Besuch Tranest im Appartment 707. Während im Manga die Freundschaft der beiden im Mittelpunkt steht, konzentriert sich der Film stärker auf die Liebesgeschichten der Mädels, wobei eine romantische Beziehung nicht gezeigt wird. Das ist einerseits natürlich verständlich, schließlich braucht ein zweistündiger Film eine konsistentere, knappere Handlung. Andererseits nimmt es dem Ganzen auch ein wenig das Besondere – Nana, der Spielfilm, ist ein Romantikstreifen, ohne aber in eine Liebesschmonzette abzugleiten. So wurde Nana denn auch des öfteren als der perfekte Streifen für ein gelungenes Date angeführt.

Die Wahl der Darsteller ist mal glücklicher, mal unglücklicher ausgefallen. Die beiden Nanas machen ihren Job wirklich gut und sind auch gut wiederzuerkennen. Nana O.s Ex-Freund wirkt hingegen etwas arg farblos. Als Shin dürfen wir den L Darsteller aus den Death Note Filmen erneut auf der Leinwand begrüßen. Der Gesang hingegen konnte uns (also die Leuts im Filmclub) laut konsens nicht wirklich überzeugen. Weichgespühlter Punk-Rock passt allerdings auch eher ins Pfirsischland.

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Nana zeichnet sich vor allem durch seine melancholische (und teilweise brutale) Realitätsnähe aus. Die Figuren, die das Nana Universum durchwandern, begegnen einem auf ganz ähnliche Weise so in den Straßen und Plätzen Japans. Nana K. ist ein wirklich typisches japanisches Mädchen. Süß, naiv, tussig und (sorry an alle Japanerinnen, die anders sind, aber ihr kennt eure Landsleute doch auch!) strohdoof. Die Musikszene (vor allem die Probleme, die auf Nana O. nach dem Ende der Filmgeschichte warten) ist treffend beschrieben.

Während das Filmclubmaskottchen und meine Osananajimi scheinbar Nana ganz dolle toll finden (mir wurde sogar verboten, meine Meinung zum Manga noch einmal kund zu tun :P), sagt mir das ganze ungefähr so viel wie Hanni und Nanni. Die eigentliche coole und unabhängige Nana O. wird durch die (zugegebenermaßen niedliche) Love-Story als Otto-Normal-Shôjo diskreditiert und Nana K. möchte ich sowieso am liebsten an die Gurgel.

Hier übrigens ein Review von dem Mann, der kein Russisch kann und hier der Link zur offiziellen Hypepage auf Englisch (die japanische Filmseite scheint ge-X-t worden zu sein), hier eine Fanpage mit vielen Infos zu den Schauspielern und der IMDB Link.

Fazit: Realistische Romantik in hübschen Bildern, die den japanischen Alltag getreuer wiedergibt als so manch anderes Entertainment-Produkt.