Kimono – traditionell und modisch

Die japanische Kandidatin für die Wahl zur Miss Unisversum schockte unlängst die japanische Öffentlichkeit mit ihrer freizügigen Kimono-Variante. Ist das, was die Dame da trägt überhaupt noch ein Kimono? Was ist überhaupt ein Kimono?

Damit ihr im Bilde seid, findet ihr hier ein Foto vom angestrebten Outfit der guten Dame. Das von Ines Ligron entworfene Kleidungsstück zeigt deutlich mehr Haut als Kimono es traditionellerweise zu tun pflegen. Amüsant ist dabei die Kombination aus fornem langen Ärmeln und Mini…kimono. Für die eigentliche Show wird das ganze noch ein wenig züchtiger ausfallen (Quelle). Wie dem auch sei gibt mir das einen guten Anlass, mal (wie von einem Leser einst per PMail gewünscht) etwas über Kimono zu sagen.

Kimono heißt zunächst einmal ganz banal „Anziehding“ und wenn da nicht Kultur und Geschichte dem ganzen zusätzliche Schichten und Verzierungen aufgetragen hätten, dann wäre es wohl eines der simpelsten Anziehdinger, die sich auf dem Erdenball finden lassen. Der Grundschnitt besteht eigentlich nur aus einem großen Stoffstück mit zwei Löchern für die Arme, welches um den Rumpf gelegt wird und an welches dann die extrem weiten Ärmel geheftet werden. (Geheftet, damit sie für den Waschvorgang leicht entfernt werden können.) So zumindest die vorsintflutliche Ausformung des Anziehdings.

Ob nun der Kimono in seiner Urform aus China geklaut wurde oder aber asiatische Kleidung schlicht schon überall so ähnlich aussah: Prinzipiell ist die Grundidee hinter dem Anziehding in Ostasien nicht grad selten. Aus dem Anziehding entwickelte sich in der Heian-Zeit, einer der Epochen, in denen sich Japan eher auf sich selbst Besann, etwas typisch Japanisches – der Kimono. Während Überlange Ärmel, breite Gürtel und mehrere Schichten prinizipiell auch zu traditioneller Kleidung Chinas gehören, so sind Kimonos nicht zuletzt auch durch die vielfältigen Stoffmuster urjapanisch. Daher ist die Frau im Kimono auch ein klassisches Motiv japanischer Kunst, wie zum Beispiel bei diesem Kurumi-e (oder auch, ungleich westlicher, diesem Stickbild).

Auch heutzutage noch werden Kimono zu besonders feierlichen Anlässen, wie zum Beispiel dem Gassigehen mit Wan-chan, getragen.

Natürlich trifft man auch bei Matsuri (kleinen Festen) und Feierwerken auf bekimonote Wesen.

Am häufigsten anzutreffen ist eine einfachere Abart des Kimono, der Yukata (die „Badekleidung“). Das gute Anziehding hat selbstredend nur eine simpel gemusterte Stofflage mit einem sehr einfachen Gürtel. Yukata sind bequem und günstig. Für „echte“ Kimono muss man schon ein paar Tausender (und damit meine ich nicht Yen) hinblättern. Die passende Ausrüstung, Schühchen, kunstvoll verzierter Gürtel, Handtäschchen und Co. kommen noch mal locker genauso viel. Dafür verschmelzen Kimono wie Samurai-Schwerter dann auch mit der Seele des Besitzers – weshalb gebraucht kaufen für Abergläubige (also alle Japaner) nicht in Frage kommt. Alle anderen können in Asakusa und Co. bereits ab 50~100 Euro die Kimono verblichener Omas erstehen.

Falls euch das Thema jetzt interessiert, findet ihr abgesehen vom Wikiartikel beim entsprechenden Hanami Web Artikel (hier) viele Fotos und eine umfangreiche englische Beschreibung, hier einen Blog zum Thema und hier sogar eine Bastelanleitung. Viel Freude damit. 🙂